1. Mai im Scheibenholz

Wolfgang Anders


Der 1. Mai im Scheibenholz hat Tradition in Leipzig.
Zu DDR-Zeiten eilten wir am Kampftag der Arbeiterklasse noch während der Kampfdemonstration in den nahen Clara-Zetkin-Park und das benachbarte Scheibenholz.
Im Scheibenholz liegt, direkt am Elsterbecken, die Galopprennbahn seit über 100 Jahren.
Und weil dadorten immer was los war (Zum Beispiel unerlaubte Hütchenspiele…) wanderte man mit der ganzen Familie los.
Die alten Zocker und Socker sowieso, denn: Herbert läuft!
Herbert war in den blechernen 70ern ein schöner dunkelbrauner Vollbluthengst, der einige Male erfolgreich lief. Da er im großen Sport wohl doch nicht ganz so gut war, erhielt er aber immer noch einen guten Platz in der Warmblutzucht.
Der hat`s gut.
Jeden Tag schmusen mit den strammen Warmblutstuten.
Keine zickigen Vollblutmädels!

Daran denkt der Chronist, da das erste Rennen für Vollblüter und Halbblüter ausgeschrieben war…
…und welcher Gaul galt hier nun als Halbblüter?
Wir sahen nur reifere Rennpferde.

Viele Leute haben heute beim Pferderennen zu tun (Irgendwie muß ja auch der Eintrittspreis von sage und schreibe 14,- Teuro gerechtfertigt werden!).
Da scannt ein Profi am Pferdehals die implantierte Nummer.
Wozu eigentlich?
Wird der Chip beim Schlachten wenigstens rausoperiert?
Damit ich nicht draufbeisse!
Ich esse so gerne Pferderoster und -buletten (…und Sauerbraten und Pferdegulasch und…wie damals bei Pohle, Marie in der Münzgasse!).

Entschuldigung, wir schweifen ab.

Die friedlich-dümmlich Protestierenden am Eingang würden das wohl nicht gut heißen.

Gleichwohl, es war ein sehr schöner Tag – bis auf den Rapsstaub. Und bis auf die Imbissbude, die mit ihrem Scheißturm einigen Zuschauern die Sicht auf die große Leinwand im Innenring versperrte

Ein paar Impressionen hat der Fotobeauftragte unserer Reduktion auch mitgebracht.
Schönen Sonntag noch.

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