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Feiertag in Sachsen

Wolfgang Anders


Die fleißigen Sachsen haben einen Feiertag mehr als der Rest der bundesdeutschen Welt.
Weil wir die Besten sind.
Das haben wir somit auch einmal klar gestellt.

Was tun? sprach Lenin…`tschuldigung, den kennt ja keiner mehr.
Also! sprach Zarathustra, ich lehre Euch den …

Ach was! Den kennen die doch auch nicht.

Die Familie besucht diverse Friedhöfe in der alten Heimat und der Vater in diesem Theater wird sich nach einer anstrengenden Arbeitswoche (Montag und Dienstag!) aufs Ohr legen und einfach was für sich tun.

Taxi-Toni jedoch (Einer Besten im Leipziger Westen!) macht sich aus dem Staube und mit seinem Trabi auf die Straßen seiner Jugend.
„Auf der Straße nach Süden…“ singt er lauthals, um den gepflegten Zweitakter zu übertönen. Nicht der Motor ist das Problem, sondern das Geklapper vom Rest des Autos.

Auf die B2/95 und Stoff!!!
Also Gas gegeben! Mit 87,9 Kilometer pro Stunde läßt er in der 30er Zone alles hinter sich…
Schon hinter Zwenkau gemahnt ihn ein Schild am Ortseingang an die pünktlich zur Weihnachtszeit wieder erscheinende wilde Vögelgrippe.

Tja, denkt unser Taxi-Toni, sowas kommt von sowas.

Früher hatten wir ein paar Salmonellen – heute sogar Geflügelpest und Vögelgrippe.
Man gönnt sich ja sonst…

Am Gasthof zur Waage Krimmlitz fuhr er vorbei.
Dadorten konnte er Mitte der 70er mit seinem Schwager vorzüglich und vor allem preiswert speisen.
Man war auf einer betrieblich veranlaßten, zweckmäßig organisierten Schwarzfahrt zufällig zur Mittagszeit an die Tafel eines spendablen Eingeborenen geraten.
Danke, Herr Franke.

Kurz vor einem Teilziel seiner Sachsenrundfahrt eine Umleitung.
Das hätte er sonst schmerzlich vermisst.
Weiter bei regennasser Fahrbahn und naßkaltem Wetter.
Der Trabi rollt und rollt und rollt…

Ein Parkplatz im Zentrum der kleinen häßlichen Industriestadt – früher mit einem schlechten Ruf behaftet – ward schnell gefunden.
Ein älterer gesetzter Rumäne parkte etwas eng überraschend neben ihm ein und grinste ihn blöd an.
Rumänen fahren Mercedes A-Klasse.
Taxi-Toni, ein vorsichtiger und gewissenhafter Mensch, verstaute alles was für ihn Wert hatte. Wertsachen waren es mangels Masse nicht direkt, aber auch ein alter Kugelschreiber kann für einen Mann in den besten Jahren (Noch ein Superlativ!) von Wert sein.

Sodann suchte er zwischen Altmarkt und Neumarkt dieser Weltstadt das Café Rossi oder Rossini oder Monte Carlo (Immer diese Fremdwörter!), was aber offensichtlich den Besitzer und den Namen gewechselt hatte.

Endlich kehrte er im Cafè am Neumarkt ein.
Ein Traditionshaus – hatte es doch vor über 100 Jahren die Zeitzer Schokoladentorte erfunden.
Eine Tasse Kaffee und ein Stück Stolle kosteten exakt soundsoviel…was bei uns dorheeme gut und gerne das Doppelte gemacht hätte.
Tja, Reisen bildet eben.

Weiter rollte der Trabi, spurtfreudig, drehfreudig der gut geölte Zweitaktmotor, die engen Gassen mit einer Steigung von über 100 Grad (oder Prozent!) hoch und runter.
Nichts ist einem Trabi unmöglich.
Kinder und Hühner sprangen erschrocken zur Seite, aber nichts hielt unseren Trabi auf…

Schon lagen weitere Erlebnisbereiche unseres Volkskorrespondenten Taxi-Toni vor ihm. Ein Dorf, noch ein Dorf – er erkannte sie alle wieder.
Hier hatte er so manche Magd ges… gesch…geschwungen! Beim Tanze unter dem Kranze – oder so!

Hier in Sachsens Anstalt wurde gearbeitet.
Einer muß ja arbeiten.
Wovon sollen sonst all die lieben Gäste aus den orientalischen Ländern leben.

Weiter!

Die Straße nach dem Sitz des Oberlandesgerichtes Naumburg war glatt wie Aal.
Trabi rollte von alleine.
Die Musik seiner Jugend dröhnte aus den übergroßen Boxen… er sang laut mit, denn er kannte alle Texte: Yeah, yeah, yeah!!!

Am Oberlandesgericht zu Naumburg, einem alten Beamtenstädtchen, seinerzeit selbst mit einer Kadettenschule gesegnet, hatte er schon zu tun gehabt. Das Aktenzeichen jedoch ist ihm Gott sei Dank entfallen…
Besser so.

Die Bundesstraße 87 zog ihn förmlich wie mit einem übergroßen Magneten in Richtung Heimat – nach Leibzsch.
Fahrer und Waaagen bildeten nunmehr eine Einheit, sie kannten jeden Stein im Kopfsteinpflaster und schwebten förmlich nach Hause.
(Auch weil Taxi-Toni nicht wußte, wann eventuell seine Angetraute vom Friedhof zurückkehren könnte. Wenn überhaupt.)

Stau in Weißenfels – einem noch häßlicheren und kleineren Industriestädtchen.
Sofern die dorten das Wörtchen Industrie überhaupt noch kennen…

Dank der geschickt geschwungenen neuen Verkehrsführung fand er sein Lieblingscafé an der Saale nicht. Dafür den Bismarckturm auf dem Kammberge.

Das dortige Café mit einem Salon im Pavillon dürfte für immer geschlossen haben, denn es war allzu dunkel – hier in Dunkeldeutschland.
Hier hätte er Weltpolitik machen können, als ein janz jrüner hoffnungsfroher Nachwuchspolitiker nach dem Ortsvorsteherposten griff…

Weiter im Rausch der Geschwindigkeit, die Kolben glühten, die Reifen auch – schon nahten die Türme von Lallendorf. Ein sicheres Zeichen, daß sein, unser, Leibzsch nicht mehr weit sein konnte.

Punktgenau und zielsicher flog unser Volkskorrespondent am Weichbild-Rand der alten Messestadt ein.
Er landete planmäßig in der bewährten System-Gastronomie mit den schmackhaften Gerichten frisch vom Formfleischer.
Wenigstens keine Geflügelpest-Erreger drinnen!
Höchstens draußen…

Hier erledigte er bei einer Tasse Dritte-Welt-Gaffee seine Hausaufgaben und schrieb der spannungsvoll wartenden Menge seiner und unserer Leser diesen Bericht.
Ja, so ist er nun mal – unser chronischer Chronist, unser rasender Reporter: Volkskorrespondent Taxi-Toni (Einer der besten im Leipziger Westen!)

Leipzig, den 16. November 2016

Im Namen der Redaktion
Herausgeber
Chefredakteur
Personalvertretung
Parteisekretär
Betriebsgewerkschaftsleitung
Betriebsküche

P.S.: Von hier aus grüßen wir besonders auch unseren (einzigen) Leser in Sachsens Anstalt in der Provinz Mittelelbe.
Wir bitten hiermit um Beachtung und sind für sachdienliche Hinweise, Verbesserungsvorschläge, sowie Leserbriefe stets dankbar.
Auch möchten wir Sie, verehrter Leser (Der Name ist der Redaktion bekannt!) bitten etwaige Verstöße gegen bundesdeutsche, aber auch EU-Gesetze sofort zu melden, damit wir diese in Ihrem Sinne abstellen können.
Wir freuen uns wie verrückt über jede Reaktion!

2 Kommentare

  • Gitta Graichen sagt:

    Ich bin neu in der „landgemeinde“, finde aber den Bericht des „Taxi-Toni“ prima und amüsant, schöne, lockere Lektüre. Weiter so (oder so ähnlich)
    Allen ein gesegnetes Weihnachtsfest.
    LG eine „Landpomeranze“

    • Wolfgang Anders sagt:

      Danke für die lieben Grüße, liebe Landpomeranze!
      Ebenso Frohes Fest und Guten Rutsch!

      Im Namen der gesamten Redaktion (Taxi-Toni, Betriebsrat, Betriebsküche, Betriebsschutz, Jugendredaktion…und Putzfrau)
      Wolfgang Anders

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