Soziale Netze


Genossenschaften in der DDR

Wolfgang Anders


Eine Erinnerung zum Tag der deutschen Zwietracht,
an die Scheißwende und die Ente von der Wende,
sowie die Niedliche Reform.

von

Wolfgang Anders

Leipzig

2017

In dieser sogenannten SUPER illu – oder Super Ulli? – stand wieder etwas, was man sich ansehen müsse – in den Lügenmedien.
Etwas über Handwerker in der DDR.
Na ja. Was kann da schon kommen?

(SUPERillu 40/2017, S.83: Die Meister des Mangels (2.10./mdr/22.00 Uhr).
Kurz vor den überflüssigen Zeilen der dummen Kiwi – Kiwis Kolumne.)

Man ahnt es schon, weil es nichts gab, durften die Handwerker improvisieren und schaffen, aber der Staat schaute mißtrauisch hin…

So oder so ähnlich wird – auch und nicht zuletzt im Super-Ulli – die DDR reflektiert.

Eigentlich hätten am letzten Sonntag, dem 24. September des Jahres, alle Ossis , alle, die Linken (?), die NPD oder die AfD wählen müssen!

Nicht aus nüchternem Kalkül – wohl aber aus Wut. Aus purer Wut.

Was aber hat das mit den Genossenschaften in der DDR zu tun?

Fast gar nichts, denn sie kommen nirgends vor.
Sie gab es praktisch, nein theoretisch, wohl nicht.

Da war mal was mit diesen komischen LPGs – oder?

Na ja – Massentierhaltung, Pflanzenschutzmittel, Umweltschutz, und wie das alles hieß…

Über Genossenschaften in ihren vielfältigen Formen, als stabiler Wirtschaftsfaktor in fast allen Bereichen, wird kaum etwas veröffentlicht.

Warum wohl?

Schauen wir uns einmal ein paar alte DDR-Publikationen an.

Ernst Goldenbaum etwas: Das Genossenschaftswesen in der DDR
Weniger erhellend, dafür ein schönes (für mich eher schlechtes Beispiel für kommunistische Propaganda): Edwin Hoernle mit seinen Schriften über die Bodenreform und die LPG-Bildung.

Später mein verehrter Professor Otto Rosenkranz mit zahlreichen Schriften über die Sozialistische Betriebswirtschaft in unserer Landwirtschaft.

Da haben wir dem von Geburt an verblödeten Wessi und unserer heutigen Jugend, die sich auf dem besten Wege befindet, ebenso zu werden, nocht nicht erklärt, daß es in der DDR nicht nur Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften (LPG) gab, sondern eine echte Vielfalt an Genossenschaften auf fast allen Gebieten der DDR-Wirtschaft.
Wie es ebenfalls so gut wie alle Eigentumsformen des bürgerlichen Rechts, des Handelsrechts, gab.

Mit denen wir als Volkseigener Betrieb, und ich als VEB-Direktor, gut und gerne und zum gegenseitigen Vorteil zusammen gearbeitet haben.

Das war ganz einfach – weil ich das so wollte und meine Mitarbeiter auch.
Oder?

Mit wem haben wir zusammen gearbeitet?

Da war einmal die Einkaufs- und Liefergenossenschaft des medizintechnischen Handwerks, die ELG Orthopädietechnik, in der Käthe-Kollwitz-Straße.

In dieser Genossenschaft waren alle (?) Orthopädie- und Bandagistenmeister, sowie deren Genossenschaften des Privaten Handwerks als Mitglieder organisiert.
Man sehe sich das Musterstatut aus dem Jahre 1986 an.

GESETZBLATT
der Deutschen Demokratischen Republik
BERLIN, 17. MÄRZ 1986 SONDERDRUCK NR. 1265

Beschluß
über das Musterstatut
der Einkaufs- und Liefergenossenschaften
des Handwerks
vom 6. Februar 1986

(erschienen im GBl I Nr. 7 S. 65)

Mit heutigem Wissen kann ich heute kaum rechtliche, wesentliche Unterschiede zur Gegenwart erkennen.

Die lieben Frauen erinnern sich sicher der PGH „Marcel“.
Das war kein Call-Boy, sondern der Name einer einheimischen Friseur-PGH.

Genossenschaften in Deutschland

Bis zu Lamprechts Markgenossenschaften müssen wir nicht zurückgehen.
Ich erinnere an den von DDR-Historikern konstruierten Streit zwischen Lamprecht und Ranke.
Nicht unser Thema.
Markgenossenschaften gab es in Deutschland schon sehr lange.
Der Leipziger Historiker Lamprecht untersuchte diese in Südwestdeutschland im frühen Mittelalter existierende Wirtschafts- und Lebensform.

Wenden wir uns den Genossenschaften zu, die in der Neuzeit von Wilhelm Raiffeisen und Schulze-Delitzsch geprägt wurden.

Molkereigenossenschaften, Fischereigenossenschaften, Schäfereigenossenschaften, Zuchtgenossenschaften…
Das alles waren Einrichtungen, die auf dem Gebiet der Landwirtschaft von Leuten organisiert wurden, die auf einen organisierten Absatz und die daraus folgende Existenz selbst organisierten.
Daraus entwickelten sich Traditionen und Formen – auch der Selbstkontrolle.
Selbstverwaltung und Selbstbestimmung – Lebensformen, die nach 1945 in den Grundsatzdokumenten der Vereinten Nationen festgeschrieben wurden.

Selbstverwaltung und Selbstbestimmung scheinen uns Deutschen heute Fremdwörter zu sein…

(Abb.)

Dieses hier abgebildete Dokument (Abb.) hat es in meiner Sammlung aus unerfindlichen Gründen geschafft, zu überleben und eben hier zu erscheinen.
Man kann nicht genug aufheben.

Eine weitere Einkaufs- und Liefergenossenschaft, kurz ELG, mit welcher wir kooperierten, war die der Seiler und Korbmacher in der Leipziger Elsterstraße.
Sie nannte sich, wenn ich mich recht erinnere, Rohlei. Eine Abkürzung, deren Auflösung ich vergessen habe.
Leder und Kunstleder bezogen wir aus einem Kontor in Weißenfels.
Dort war es für mich und unseren Werkstatt-Meister nur wichtig, den Pförtner zu passieren. Aber auch das schafften wir mittels kleiner Zuwendungen in Form von Papiertaschentüchern oder etwas anderem, was uns aus der großen und Messestadt Leipzig gerade so einfiel.

Metallerzeugnisse für unsere Schlosser-Werkstatt bekamen wir von der ELG Metall in der Gottschedstraße.

Dazu muß ich aber sagen, daß wir als Volkseigener Betrieb zur Erfüllung unserer speziellen Aufgaben jeweils nur geringe Materialmengen benötigten.

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