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Glück auf!

Wolfgang Anders


Glück auf!
Leipzig
3. Dezember 2017

Glück auf! So grüßt der alte Leipziger aus tiefster Brust als Gast der Bergparade in Thum im Erzgebirge.

Glück auf! Hört der alte Sachse erfreulicherweise immer öfters dahier.
Vielleicht auch eine Wirkung des reichlich angebotenen Glühweins in vielerlei Varianten.

Glück auf! Grüßt auch die Jugend – oder auch nur „Hi…“!

Na gut…

Glück auf! Darf der alte Leipziger als alter Sachse und als „Leutzscher“ durchaus und berechtigterweise grüßen.

Die alte Reichsmessestadt Leipzig konnte auf eigenen Bergbau verweisen.
Die Leipziger, auch der Rat der Stadt zu Leipzig, verfügten über vielfältige Beteiligungen und Besitzungen an Bergbauunternehmungen.

Selbst auf Leipziger Flur bestand eine Grube, ein Schacht, wo man Braunkohle abgebaut hat.
Leipzig-Dölitz, Friederikenstraße lautet die Adresse, wo bis in die 50er gebuddelt wurde.
Die Kohle verstromte man gleich um die Ecke für Leipzig.

Alte Leipziger kennen das noch.
Der Schacht selbst wird noch nach Bergrecht kontrolliert von den Experten.

Aber auch in Richtung Westen, an der Grenze zu Markranstädt kennen alle Leipziger einen berühmten Badesee ob seines glasklaren Wassers – den Kulki, besser Kulkwitzer See, einen ehemaligen Tagebau zur Braunkohlengewinnung.

Der Leipziger Südraum wird heute „Neuseenland“ geheißen.
Als da wären: Der Cospudener, der Markleeberger und der Störmtaler See.
Alle bewirtschaftet und befahren von einer regelrechten Hochseeflotte…

Stimmt denn das?

Natürlich nicht.

Obwohl – die Stadtverwaltung tut so, als würde demnächst die „Queen Marie“ hier einlaufen.
Der Elster-Saale-Kanal dümpelt vor sich hin, der Hafen Leipzig-Lindenau ebenso.

Was hat das mit dem Bergbau zu tun?

Nichts.

Halt, da fällt uns ein, daß wir ja in jungen Jahren im Tagebau Zwenkau als Markscheider gearbeitet haben.
Oder Vermesser. Mit Meßlatte.
Über alle Bagger und Abraumbrücken geklettert und überall freundlich mit „Glück auf!“ gegrüßt.
In der Waschkaue hatten wir die Nummer 7.
Unsere Glückszahl.

Deshalb (Und nicht nur von daher!) dürfen wir heute herzhaft mit „Glück auf!“ grüßen.

Klaro?

Das Bergbaustädtchen Thum im Erzgebirge – früher schon oft duchfahren – macht einen aufgeräumten Eindruck.
Ein kleiner feiner Weihnachtsmarkt (Lecker Lachsbrötchen!) und ein auf allen Ebenen geöffnetes Volkshaus, saubere Toiletten in Reichweite und eine engagierte Feuerwehr.
Vielen Dank, liebes Thum.

Der Festzug, die Bergparade war gut organisiert und gut marschiert.
Im gleichen Schritt und Tritt im Takte der fünf (In Worten 5!) Kapellen.

Auf der Bühne vor dem Volkshaus ein kleines hausgemachtes Programm von jungen Tänzerinnen.
Die Ansagerin meinte im Überschwang: „Wo ist die Vorweihnachtszeit so schön wie hier bei uns im Erzgebirge!“
Der Autor als alter Sachse meinte zu seiner Holden: „Im Vogtland!“
Das hat den Landfrieden aber nicht gestört…

Man möchte nicht nur den Organisatoren gartulieren, sondern auch allen Teilnehmern, die, Jeder für sich, Zeit und Geld aufbringen, um jedes Wochenende dabei zu sein.

Der Redner betonte, daß die Stadt Thum diese Bergparade finanziert habe.
Gut verwendetes Geld.
Für unsere Kultur, für unser Leben, für unsere Kinder…

Deshalb ruft der alte Sachse aus Leipzig-Leutzsch: Glück auf!

Post scriptum:
Mit Erzgebirge und Vogtland haben wir auch die beiden Landstriche genannt, die hier im alten Sachsen, ob Churfürstentum, Königreich oder Freistaat, tatsächlich über einen sächsischen Dialekt verfügen.

Glück auf! lautet im Erzgebirgischen Glück auf! und im Vogtländischen – man glaubt es kaum – Glück auf!

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