weltbühne

Soziale Netze


Positive Satyre?

Wolfgang Anders


(Die Abbildung der DDR-Schrift „Weltbühne“ passt zwar nicht zum Thema, aber bei Satyre (noch dazu bei positiver) kann es auch nicht schaden. Oder?)

Positive Satyre?

Die wöchentliche Portion positive und nette und freundliche und konstruktive Kritik an der ganzen Scheiße.

von
Peter Panther
(In Vertretung des Volkskorrespondenten Taxi-Toni – einer der Besten im Leipziger Westen.)

Leipzig
4. Oktember 2015

Nun, was soll man schon sagen, wenn man den undankbaren Job der Vertretung machen muß.
Taxi-Toni liegt nach dem Feiertag noch besoffen in der Koje. Er hat sich so über die Wessis und ihre dämliche Feier geärgert. „Die wissen nüscht!“ hat Taxi-Toni gelallt. „Niche mah, was den ihre eichnen Leide gesacht ham!“

Auf unsere Frage, was sie denn gesagt haben, antwortete er: „Ohne Preißen geene Wiedervereinschung!“

Und wer soll das gesagt haben?

Nun, ein gewisser Julius Schoeps, seines Zeichens Historiker in der frühen Bundesrepublik, soll sich derart geäußert haben. Zweifellos ein Rechter, Extremer, wenn nicht gar so ein Nazi, oder so!

Sie können das ja mal Kokeln, äh…googeln!

Unser Thema ist das nicht.

Als Vertreter der positiven Satyre, der konstruktiven Kritik, halten wir es für unsere Pflicht, das Gute im Menschen, das Positive in unserer Gesellschaft hervorzuheben.

LZ LEIPZIGER ZEITUNG
02.10.2015
AUSGABE 19/2015

Das trifft natürlich auch auf die von uns überaus geschätzte neue, neuartige, hervorragend gestaltete LEIPZIGER ZEITUNG zu.
Schon der freundliche Leitartikel signalisiert, daß alles vorbei ist.
Also – mit dem Vorbeisein.
Wobei, es hatte ja noch gar nicht so richtig angefangen?

Fülle sei kein Wert, meint einer der es wissen muß.
Stimmt, sagt Peter Panther.
Dann kannste die Zeilen auch stecken lassen. Aber Du mußt ja die Zeitung füllen – hick!
Pardon!

Mal nicht so kritisch, liebe Leipziger Zeitung.
Wenn die Stadt fein demokratisch einen Jugendtreff besetzt, dann werden sich die gutbezahlten, qualifizierten Wessis – Pardon, die Herrschaften westlicher Provenienz – schon was dabei gedacht haben.

Übrigens (Immer positiv!), wußten Sie, wo der Terminus Trauma herkommt?
Nee?
Also, der US-amerikanische Bürgerrechtler Dr. Martin Luther King sagte seinerzeit: „I have a dream!“
Was soviel heißt, wie: Ich habe mal ä Traum. Oder auch: Ich hatte ä Traum mal.
Daraus wurde, nach einer These des Fachübersetzers Wolfgang Anders, durch die dritte Lautverschiebung seit der Völkerwanderung (Nicht die gegenwärtigen Flüchtlinge!), nach der letzten Eiszeit, nach Jesus Christus seiner Geburt, durch mundartliche Verschleifung und Umlautung und – vor allem – durch die sächsische Redundanz der Begriff „Trauma“.

Und so oder so ähnlich verwendet auch Ihr hochwohllöblicher Redukteur dieses Wort.
Oder auch nicht. Das kommt in einer Zeitung für Gebildete, also für Wessis, nicht so drauf an. Entweder die lesens auch bloß nicht oder aber es wird überlesen. Oder nicht verstanden. Das kann man aber nicht preisgeben.

Lassen wir das.

Wir wollen uns weiterhin positiv mit dem Blättle auseinandersetzen.

Sehr schön, wie Frau Konstanze Caysa ihre Kolumne schreibt.
Der Ossi, der Großzügige.

(Nein, das ist keine Satiere!)

„Die Ossis sind durch die anteilnehmende Höflichkeit der anderen (Der Wessis – der Autor) zu dem geworden, was sie sind und diese großzügige Höflichkeit ist selbst ihr Wesenszug, die man übrigens oft der sächsischen Gemütlichkeit zuspricht.“

Äh, ja. Obwohl ich nicht…äh…ich weiß nich…

„Also, liebe Mitbürger (Meint die mich? Fragt jetzt ernsthaft der Leser dieses hochgestochenen Mistes!): Vergesst nicht – auch ihr habt euch einmal als Zugewanderte aufgedrängt…“ ???

Das ist uns jetzt aber peinlich.

Natürlich, wir alle haben unserer Westverwandtschaft den Teppich vollgekotzt, weil wir uns nicht benehmen konnten. Das haben wir bei den Kommunisten nie gelernt. Wir konnten auch nicht mit Messer und Gabel essen. Wie undankbar wir doch sind.
Auch haben wir noch lange nicht daran gedacht, der Treuhandanstalt unser Vermögen (Hatten wir auch bloß nicht!) auf einem Silbertablett zu präsentieren.
Entweder gab`s kein Tablett oder kein Silber oder…ich weiß es nicht.
Wir hatten eben keine Kinderstube im Osten.

Und trotzdem hat uns der Westen liebevoll aufgenommen. Vor allem die Kirche hat sich unser freundlichst angenommen. Endlich ein paar Schafe mehr.

Auch das Volkseigentum kam endlich in gute Hände. Und nicht nur das: Auch das Genossenschaftsvermögen gleich mit. Und das war Privateigentum im Sinne des Wortes – und rechtlich sowieso.

Schön positiv bleiben, meint Peter Panther.

Das Beste kommt noch!

Die undankbaren Ossis sind ins gelobte Land, in den vermeintlichen Wohlstand abgehauen, „von der Eastside zur Westside, wie heute so viele vom Süden in den Norden.“

Klar, denkt der Autor, was unterscheidet uns schon noch von den Zudringlingen?

„Kurzum: Die Wessifizierung der Ossis hat doch geklappt.“

Stimmt, überlegt Peter Panther. Ich fühle mich auch schon so – wenn ich die neue katholische Kirche so sehe. Gegenüber vom Neuen Rathaus. Auch bei mir ist jetzt alles okay – in Bad und WC.

Spitze, denkt Peterchen, der rosarote Panther und least weiter: „Warum soll nicht die Nordifizierung der Südländer klappen?“

Vielleicht, weil die doofen Ossis das – fein demokratisch – doch nicht wollen?

The end —

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