Religion – Illusion?

Daniel Gabler - Bürgerverein Schönefeld e.V.


Lang, lang vorbei ist der 100. Deutsche Katholikentag in Leipzig, welcher fünf Tage dauerte. Wir erinnern uns, er war eingebettet in das katholische Fronleichnamsfest (Donnerstag, den 26. Mai), welches von Papst Urban IV. und der Romkirche eingeführt und später zum „staatlichen“ Feiertag in Sachsen ernannt wurde.

Ein katholisches Treffen in einer nichtkatholischen Stadt ist nun zu Ende. Denn nur 4,3 % der Bewohner Leipzigs sind Katholiken und kaum einer freiwillig. Viele wurden als Säuglinge ungefragt zu Kirchenmitgliedern gemacht.

Aber vielleicht sollte auch nur die neue katholische Propsteikirche gefeiert werden, welche direkt vor das Leipziger Rathaus gebaut wurde. Der rot-graue Betonbunker der Vatikankirche wurde erst letztes Jahr fertiggestellt und hinter dem Standort soll das Kirchenprinzip von Ross (Staat) und Reiter (Kirche) stecken. Das Ross wird vom Reiter gelenkt. Somit gab die Stadt Leipzig trotz fehlendem Geld dem Katholikentag eine Spende in Höhe von einer Million Euro. Neben der Spende vom Bundesland Sachsen in Höhe von drei Millionen gab es auch noch vom Bundesinnenministerium eine halbe Million obendrauf. Also insgesamt 4,5 Millionen. Warum gibt die Kirche vom eigenen Reichtum immer nur Almosen ab?

Das Motto lautete: „Seht, da ist der Mensch“, aber wo ist er denn? Von den versprochenen 80.000 Besuchern, welche angeblich neun Millionen Euro in die Leipziger Stadtkasse bringen sollten, sind nur ca. 30.000 gekommen. Trotz Bevölkerungswachstum und Mauerfall waren 1982 noch 200.000 Besucher und davon 60.000 Dauerteilnehmer auf dem Katholikentag (in Düsseldorf) und jetzt werden es immer weniger. Somit gab es leere Plätze, halbleere Veranstaltungen und die geplante Christianisierung des Ostens ist kläglich gescheitert. Früher waren Kirchentagshallen, in denen zum Beispiel Politiker sprachen, meist überfüllt, in Leipzig war es das Gegenteil. Die Süddeutsche Zeitung (30.05.2016) schrieb: „Ob die Arbeitsministerin auftrat, der Innenminister oder gar der Bundespräsident – die Hallen waren leer.“

Auch Proteste aus den eigenen Reihen wurden laut, als katholische Schwule und Lesben nach Anerkennung und Gleichbehandlung durch ihre Kirche bei einer Podiumsdiskussion forderten. Die Kirche solle sich öffnen, da wir nicht mehr im 18. Jahrhundert leben und es wird eine „Ehe für alle“ gefordert.

Der, von der Kirche angekündigte Dialog mit den Ungläubigen gestaltete sich merkwürdig. Denn die Gruppe mit der Moses-Figur, welche forderte: „Du sollst deinen Kirchentag selbst bezahlen!“, wurde auf Forderung der Kirche von der Polizei gestoppt und erhielt einen Platzverweis. Als Begründung hieß es, in der Figur könnte eine Bombe versteckt sein.

Aber am Sonntag nach dem großen katholischen Abschluss-Gottesdienst auf dem Augustusplatz regte sich am Rand ein Widerstand. Auf einer kleinen Bühne stellte sich die „Kirche des fliegenden Spagettimonsters“ (kurz: FSM) vor. Die Bürgerinitiative „(K)eine Million“ hatte das deutsche Oberhaupt „Bruder Spaghettus“ nach Leipzig eingeladen und er war gern gekommen.

Die „Kirche des fliegenden Spagettimonsters“ stellt sich vor.

Die „Kirche des fliegenden Spagettimonsters“
stellt sich vor.

Die Gottheit „Das Fliegende Spaghettimonster“ wurde vom amerikanischen Physiker Bobby Henderson 2005 als Religionsparodie entworfen und das Internet trug zur Verbreitung bei. Es werden andere Glaubensrichtungen und Kirchen persifliert und die Menschen werden dazu aufgefordert nachzudenken und sich eine eigene Meinung zu bilden. Außerdem soll man bleiben wie man ist und Menschen sollen nicht nach ihrem Aussehen beurteil werden, was für Klamotten sie anziehen, wie sie reden oder wie auch immer. Die Grundsätze vom FSM sprechen sich unter anderem gegen Diskriminierung, Vorurteile, religiöse Dogmen, Nötigung und Frauenfeindlichkeit aus.

Beim FSM oder auch Pastafaritum werden Piraten als die ursprünglichen Pastafaris verehrt, denn es kann grafisch nachgewiesen werden, dass die Ursache für die globale Erwärmung, Orkane und alle anderen Naturkatastrophen die sinkende Zahl von Piraten seit Beginn des 19. Jahrhunderts ist. In Deutschland wurde der Verein „Die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters e.V.“ mit Sitz in Templin 2012 als Weltanschauungsgemeinschaft anerkannt.

Bruder Spaghettus, das deutsche Kirchenoberhaupt der „Kirche des fliegenden Spagettimonsters“ (Hauptsitz in Templin), bei der Nudelmesse in Leipzig

Bruder Spaghettus,
das deutsche Kirchenoberhaupt
der „Kirche des fliegenden Spagettimonsters“
(Hauptsitz in Templin),
bei der Nudelmesse in Leipzig

Endlich eine Religion die auch mich als Atheist anspricht, also nahm ich an diesem Gottesdienst teil und ich bin zu einer noch jungen Religion konvertiert. Ich war einer unter nur ca. einhundert Teilnehmern bei der Veranstaltung, beobachtet von der Presse, der Polizei und vorbeilaufenden Katholiken. Die Veranstaltung war zwar klein, aber alles war durch persönliches Engagement und eigenem Geld vorbereitet und organisiert wurden. In seiner Predigt nannte Bruder Spaghettus die Vorteile vom Pastafaritum:

• Es ist die friedlichste Religion, denn es wurde noch niemand dadurch verletzt oder getötet.

• Es ist die wissenschaftlichste Religion, denn man hat die Pflicht an allem zu zweifeln.

• Es ist die ehrlichste, denn im Pastafaritum wird von Anfang an gesagt, dass die Gottheit ein Monster ist („Das fliegende Spagettimonster“). Es gibt auch eine „Gott zurück Garantie“, das heißt wenn dir die Religion nicht gefällt, dann nimmt dich garantiert dein alter Gott wieder zurück.

• Und es ist die letzte Hoffnung der Erde, denn die Religion ist für den Stopp der Erderwärmung.

Nach einer musikalischen Darbietung zitierte Bruder Spaghettus verschiedene Bischöfe, welche sich extrem zu Atheismus geäußert hatten. Als Ungläubiger, ist man kein Mensch sondern eine Gefahr für die Allgemeinheit und gottloses Pack. Eine Gesellschaft ohne Gott, wäre die Hölle auf Erden. So tolerant sind also Andere?

Anschließend nahm ich mit 50 anderen am Abendmahl teil, bei dem es einen Schluck Bier gab (aus dem Biervulkan) und eine Nudel (von seinem Anhängsel).

Die neugegründete Gemeinde Leipzig hat sich bereits am 10. Juli das erste Mal getroffen, um sich besser kennen zu lernen und zu planen. Wir wollen uns regelmäßig jeden 3. Dienstag im Monat treffen im Nudelnerd (Karl-Liebknecht-Str. 101) oder im Indischen Restaurant daneben.

Wenn Ihr also Lust habt, kommt vorbei!

Wer mitmachen will oder weitere Informationen möchte, findet diese auch auf der Facebook-Seite
der Gemeinde Leipzig unter: www.facebook.com/FSMLeipzig
oder auf der Webseite: www.pastafari.eu

Dieser Artikel stammt aus dem „Schönefelder Boten“ Ausgabe 31 (Juli / August 2016). Hier gibt es den kompletten Boten als pdf-Datei. Der Schönefelder Bote, ist die Bürgerzeitung für Leipzig-Schönefeld, herausgegeben vom Bürgerverein Schönefeld e.V.
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3 Kommentare

  • Daniel Gabler - Bürgerverein Schönefeld e.V. sagt:

    Danke für die Veröffentlichung des Artikels.

  • Die komplette Redaktion der „Landgemeinde“ hatte einen Heiden-Spaß beim neuen Gott, dem Spaghetti-Monster!

  • Da bin ich aber erstaunt – über die vielfältigen Beiträge auf Facebook beim „Schönefelder Boten“!
    Auf unserer „Landgemeinde“ hat sich noch keiner beschwert.
    Wahrscheinlich, weil das früher mal ein eher protestantisches Blatt war – oder?
    Ich weiß es nicht.
    Mir jedenfalls hat die mehr satirische Betrachtung des katholischen Kirchentages ausnehmend gut gefallen.
    Andere Zeitungen, wie L-IZ und Leipziger Zeitung haben viel kritischer zum Beispiel über den Skandal um die Amtsanmaßung beim „Moses“ mit der Forderung, seinen Kirchentag doch bitte gefälligst selbst zu bezahlen, berichtet.
    Eine gewisse „Anmaßung“ ist den Monotheisten aller Konfessionen wohl in die Krippe, äh…Wiege gelegt worden.
    Auch eine Art von Totalitarismus – oder?

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