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„Unsere Verluste wurden nicht entschädigt“

Wolfgang Anders


Zeitungsschau heute:

Bild am Sonntag
28. Oktober 2018
Seite 4 – 5

Politik & Gesellschaft

„Unsere Verluste wurden nicht entschädigt“

Mit Interesse lese ich am heutigen Reformationstag in meinem Sachsenlande das Interview mit dem polnischen Staatspräsidenten Andrzej Duda.

Welche Verluste meint der Präsident?

Aber der Reihe nach: Der Überfall Nazi-Deutschlands? Falsch.

Das Deutsche Reich unter nationalsozialistischer Führung hatte nach vielfältigen und am Ende gescheiterten Verhandlungen die Republik Polen angegriffen. Die fragwürdige Rolle eines polnischen Diplomaten namens Beck sei hier nur erinnert.

Das die Sowjetunion ein paar Tage später ebenfalls in Polen einmarschierte spielt offenbar keine Rolle.

„Damit begann der Zweite Weltkrieg.“

Falsch – dieser begann frühestens mit dem Eintritt überseeischer Staaten.
Ähnlich wie im Ersten Weltkrieg.

„Der Bruder Ihres Großvaters hat in der polnischen Heimatarmee gegen die Nazis gekämpft,…“

Er wird in der polnischen Heimatarmee gegen Soldaten der deutsche Wehrmacht gekämpft haben – ob die alle Nazis waren, sei dahingestellt.

Ich sehe Schwarz-weiß-Szenen eines polnischen Spielfilms vor meinen Augen: Ein polnischer Major ruft seinen Untergebenen zu „Ein Gewehr für den Herrn Oberst!“
Diese Polen kämpften tapfer gegen den Feind und ein Oberst von der polnischen Exilregierung in London wollte dem Major irgendetwas übermitteln. Plötzlich griff der Feind an…

(Diesen Film suche ich noch!)

Die Polen haben stets tapfer gekämpft.
Hier in Leipzig steht an der Weißen Elster das Poniatowski-Denkmal.
Fürst Poniatowski erhoffte sich mit seinen Polen und der Polnischen Legion von Napoleon die Wiedererrichtung eines polnischen Nationalstaates. Das war 1813.
Den Nationalstaat haben ihnen die Mittelmächte des Ersten Weltkrieges ermöglicht – nach der russischen Oktoberrevolution auch mittels des neuen Sowjet-Rußlands.

Immerhin konnten die Polen im Polnisch-Russischen Krieg im Jahre 1920 einmal die Russen schlagen.

Nun aber erlagen sie – von ihrer verbündeten Entente Cordiale schäbig im Stich gelassen – der Wehrmacht und der Rote Armee.

Ein gemeinsamer Gedenktag deutscher und polnischer Politiker im kommenden Jahr kann nur die Lügen der Gegenwart vertiefen. Aus meiner Sicht auf oben genannte Fakten lehne ich dies ab.

Genug der Vorrede.

Entsprechend dem Untertitel wollen die Polen an irgend welchen Forderungen festhalten.
Deutschland würde 690 Milliarden Euro Reparationen schulden.

Nun – das hätte man seit 1945 ganz seriös mittels Friedensvertrag lösen können.
Oder?

„Die Bundesregierung lehnt Reparationen ab.
Sie verweist darauf, dass beim deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrag von 1991 offene Entschädigungsfragen abschließend geregelt wurden.
Damals zahlte Deutschland noch mal 1,3 Milliarden Euro.“

Als alter Sachse weiß ich noch von einem Vertrag über die Oder-Neiße-Friedensgrenze.
Und diese Oder-Neiße-Friedensgrenze wurde wohl von der BRD völkerrechtlich erneuert.

Leider hat diese „Oder-Neiße-Friedensgrenze“ einen Schönheitsfehler: Stettin und Swinemünde wurden nach 1945 von den Besatzern völkerrechtswidrig abgetrennt.
Dies widersprach den Bestimmungen des Potsdamer Abkommens.
Aber das wurde ja auch im Zusammenhang mit den brutalen Vertreibungen der deutschen Bevölkerung aus den deutschen Ostgebieten, der Abtrennung und Auflösung Preußens („Ohne Preußen keine Wiedervereinigung.“) mehrfach verletzt.

Fiat justitia…

Das die sogenannte Europäische Union den Polen ein Vertragsverletzungsverfahren aufdrängt halten wir hier für reichlich dämlich.
Die sind wohl so in Brüssel.
Anders können wir uns das nicht erklären.

Die Polen sind schließlich intelligent und vor allem souverän genug ihre Belange selbst zu organisieren.

Im Kasten (Seite 5)

„87 Prozent der Polen sind Katholiken…“

Bismarck im Grabe im Sachsenwald wird unruhig: „Wieviel Polen, äh, wieviel Katholischen …“
Sodann erinnert sich unser oller Eiserner Kanzler an den Culturkampf mit der Zentrumspartei.
Auf seiner Wolke schaut er zu dem alten Biologen hinüber, der damals für die preußische Regierung
die sogenannten „Wasserpolaken“ besuchte und untersuchte.
Der hat es bemerkt und lächelt Bismarck zu: „Ja, ja, Bismarck, das wissen wir wohl besser…“

Tja, liebe „Bild“er.
Wir glauben nur Zahlen, die wir selbst gefälscht haben!

„Unsere Verluste…“ sagt der Pole.
Und unsere Verluste? frage ich.

1 Kommentar

  • Ergänzend noch folgende Zeilen:

    Schuld oder Schulden?

    „Die Verantwortung von Hitler-Deutschland für den Ausbruch des Krieges, für den Holocaust, für die fast sechs Millionen getöteten polnischen Staatsbürger ist offensichtlich.“

    Für den Herrn Präsidenten. Seine staatsmännische Sichtweise.

    Für uns alten Sachsen mit DDR-Migrationshintergrund leider nicht.
    Der Krieg hatte wohl eher viele Väter, wie der ehemalige Bundeswehr-General
    Gerd-Schultze-Rhonhof überzeugend nachwies.
    („Der Krieg, der viele Väter hatte“)

    Aber auch Rußlands Präsident Putin äußerte sich fundiert zum Thema Kriegsschuld. Allerdings ganz anders, als das hier in der „Bild am Sonntag“ dargestellt wird.
    (YouTube, diverse Beiträge aus dem Jahre 2009)

    Das Thema Katyn – die Ermordung tausender polnischer kriegsgefangener Soldaten und Offiziere, auch Reserveoffiziere durch sowjetische Truppen – sei hier nur erinnert.
    Es wurde noch nicht einmal in Nürnberg 1946 juristisch und moralisch aufgearbeitet.
    Auch wir DDR-Bürger wurden bei diesem Thema belogen.

    Merkels Gäste

    Beim Thema Flüchtlinge bleibt Polens Präsident interessanterweise konsequent und lehnt es ab, solche quotenmäßig aufzunehmen: „Ein von der EU aufoktroyiertes Zwangsumverteilungssystem der Flüchtlinge lehnen wir ab.“

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