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Der Weg in den Bruderkrieg

Max Wiegand


Von
Max Wiegand
Schkeuditz

Der Weg in den Bruderkrieg
Nach der gescheiterten Revolution von 1848, bestand zwischen den deutschen Staaten ab November 1850 erneut ein loser Bund souveräner Einzelstaaten. Der deutsche Bund beinhaltete zwei flächenmäßig und machtpolitisch dominante Staaten, mit Österreich und Preußen, vier mittelgroße Königreiche: Bayern, Sachsen, Württemberg und Hannover, freie Städte und kleinere Staaten. Bezüglich der mit der Revolution entstanden deutschen Frage machte man sich in Preußen und Österreich Gedanken. Preußen beschränkte sich auf eine kleindeutsche oder gar norddeutsche Lösung, was den Ausschluss der Donaumonarchie bedeuten würde. Für Österreich, das ein Vielvölkerstaat war und es auch bleiben wollte, kam von 1850 an nur die großdeutsche Lösung in Frage, ein ,,Reich der damals 70 Millionen‘‘.
Bismarck formulierte bereits 1853: ´´…ein Preußen von 17 Millionen bleibt immer zu dick, um Österreich so viel Spielraum zu lassen, als es erstrebt… ‘‘. Durch diese Rivalität entwickelte sich zwischen den beiden Großmächten eine Konkurrenzsituation, um die Vorherrschaft im Deutschen Bund.
1815 arbeiteten sie noch gemeinsam gegen die Nationalbewegung, die ,,von vorne herein auf eine Nachahmung des revolutionären Frankreich gerichtet‘‘ war. Groß wurde die Nationalbewegung, durch Napoleon, mit dem Aufstieg Frankreichs. Sie war geprägt von Bewunderung, aber auch Abneigung gegen den Eroberer Frankreich. Mit der Entstehung der deutschen Frage war die Nationalbewegung nicht mehr wegzudenken, auch da den Deutschen mit der Revolution von 1848 gezeigt wurde, dass ein deutsches Reich realisierbar war . Als wohl bedeutendsten Vertreter der Nationalbewegung ist der Freiherr von Stein zu benennen.
Doch als Bismarck am 23.September 1862 zum Ministerpräsident und Außenminister Preußens wurde, fungierte er zunächst als Abwender einer innenpolitisch hochexplosiven Verfassungskrise und hatte weniger Zeit sich mit der Nationalbewegung zu beschäftigen. Besagter Krise verdankte er übrigens seiner Ernennung zum Minister.
Streitpunkt war die geplante Verlängerung der Wehrpflicht von zwei auf drei Jahre und die Reorganisation des Heeres. In seiner Antrittsrede sagte Bismarck: ,,Nicht durch Reden und Majoritätsbeschlüsse werden die großen Fragen der Zeit entschieden, sondern durch Blut und Eisen‘‘. Damit suggerierte Bismarck dem Parlament das in Zukunft ein verstärktes Heer von Nöten sein wird, um das ersehnte Ziel, einen Nationalstaat unter preußischer Führung, zu erreichen. Damit griff er das Hauptziel der Nationalbewegung auf und konnte durch seine nationalistischen Bestrebungen einige Sympathisanten gewinnen.
Heftiger Kritik sah sich Bismarck aufgrund seines eigenmächtigen Vorgehens bei der Heeresreform ausgesetzt, die er ohne Zustimmung des Parlamentes durchsetzte. Hierzu benutzte er eine Verfassungslücke. Da Bismarck stark durch die Presse kritisierte wurde, erließ er 1863 die Einschränkung der Pressefreiheit.
Anfang des Jahres 1864 machte sich Empörung im Deutschen Bund breit. Die neu aufgesetzte dänische Verfassung, bezog das Herzogtum Schleswig, welches zum deutschen Bund zählte, in den Dänischen Staat ein. Der Bundestag beauftragte Österreich und Preußen mit der Lösung des Problems.
Um die Einmischung Englands oder Russland zu vermeiden nahm Bismarck Abstand von einem nationalen Krieg ,,und fordert Vertragstreue Dänemarks‘‘ . Am 16.Januar erhielten die Dänen ein Ultimatum, welches sie verstreichen ließen. Daher erklärten Preußen und Österreich, Dänemark am 01. Februar 1864, den Krieg. ,,Es folgt ein kurzer Feldzug, der mit dem Sturm auf die Düppeler Schanzen die nationalen Leidenschaften nochmals entfachte.“ Für Preußen war es nicht nur ein Prestigesieg, sondern die Bestätigung der, von Bismarck durchgesetzten Heeresreform.

Es folgte der Friedensvertrag von Wien. Dänemark war gezwungen die Gebiete Schleswig und Holstein abzutreten. Österreich und Preußen übernahmen gemeinsam die Verwaltung der Gebiete. Diese führte immer wieder zum Streit, zwischen den beiden Kontrahenten im Deutschen Bund. Um die Spannung auszuräumen wurde im April 1865 in Badgastein ein Vertrag zur Klärung der Gebietsansprüche ausgearbeitet. Nach der Gasteiner Konvention verwaltete Österreich fortan Holstein, und Preußen Schleswig.
Im Jahr 1866 erreichte die Dauerrivalität zwischen dem protestantischen Preußen und dem apostolischen Österreich ihren Höhepunkt. Formell waren Schleswig und Holstein die Streitpunkte. Der Krieg sollte aber eher die Kräfteverhältnisse im Deutschen Bund klären.
Im Jahre 1866 konnten die Sterne für Preußen nicht besser stehen, da sich Österreich in einer schweren Finanzkrise befand. Frankreich garantierte im Falle eines Bruderkrieges seine Neutralität. Italien hatte durch sein Interesse an Venetien am 8. April 1866 ein Angriffsbündnis gegen Österreich unterschrieben.
Anfang Juni 1866 sollte der Bundestag in Frankfurt die Aufklärung der Streitigkeiten übernehmen. Da Österreich die Regentschaft in Holstein von Friedrich VIII. von Schleswig und Holstein tolerierte, berief sich Preußen auf die Gasteiner Konvention und marschierte in Holstein ein. Daher beantragte Österreich am 14. Juni 1866 im Bundestag die Mobilmachung gegen Preußen. Als diese angenommen wurde, trat Preußen aus dem Deutschen Bund aus und es kam zum Krieg.
Preußen wurde von Italien, Oldenburg, Mecklenburg, Braunschweig, Hamburg, Bremen, Lübeck und einigen nord- und mitteldeutsche Kleinstaaten unterstützt.
,,Die Armeen aus Österreich, Bayern, Württemberg, Hannover, Sachsen, Baden, Kurhessen, Hessen-Darmstadt, Nassau, Sachsen-Meiningen, Liechtenstein, Reuß ältere Linie sowie Frankfurt bildeten die offiziell vom Deutschen Bund aufgestellten Koalitionstruppen‘‘ und kämpften auf der Gegenseite.
Am 3. Juli 1866 kam es bei Königgrätz in Böhmen, welches damals noch zu Österreich zählte, zur kriegsentscheidenden Schlacht. 250.000 Preußen standen 160.000 Österreichern gegenüber. Die von Generalstabschef Moltke kommandierte Preußische Armee war nicht nur zahlenmäßig überlegen, sie benutzten auch die ersten gut funktionierenden Hinterlader, die Zündnadelgewehre. Ihr Vorteil bestand darin, das man sie im Liegen nachladen konnte. Die Österreicher die mit Vorderladern bewaffnet waren, boten den Preußen so eine größere Trefferfläche. Für Österreich war es eine vernichtende Niederlage, 15.000 Mann fielen, Preußen verlor lediglich 2.000 Mann.
Das besiegte Österreich sendete Preußen ein Friedensangebot. Dies beinhaltete, dass Österreich Preußen Frieden und freie Handlungsfähigkeit im Deutschen Bund anbot. Der preußische König Wilhelm I. wollte zunächst ablehnen, doch Bismarck stimmte ihn um, da er ein Eingreifen Frankreichs oder Russlands fürchtete.
Die Vermittlerrolle übernahm Frankreich am 26. Juli 1866. Nach dem Sieg über Österreich annektierte Preußen das Königreich Hannover und vereinigte sich mit den deutschen Staaten nördlich des Mains zum Norddeutschen Bund. Ein Veto Frankreichs verhinderte eine größere Ausdehnung.
Mit der Gründung des Norddeutschen Bundes dehnte sich Preußen nicht nur aus, sondern stellte das erste Mal in seiner Geschichte, ein ,,zusammenhängenden deutschen Gebietskörper‘‘ dar. Österreich war immer ein Teil Deutschlands, doch durch den Krieg von 1866 stand fest, dass Österreich sich fortan nicht an der Deutschlandpolitik beteiligen würde.

Der neugegründete Norddeutsche Bund, der 30 Millionen Einwohner zählte, wurde ,,zur Keimzelle des späteren Deutschen Reiches‘‘ .
Das Dreiklassenwahlrecht, das noch in Preußen gängig war, galt nicht für den Norddeutschen Bund. Es gab zum ersten Mal allgemeine freie und geheime Wahlen. Durch die Bildung einer Verfassung stellte der Norddeutsche Bund den ersten deutschen Bundesstaat dar. Da Preußen mit 24 Millionen Einwohnern den größten Anteil am Norddeutschen Bund hatte, war der Preußische König gleichzeitig der Bundespräsident.
Die deutsch-französischen Beziehungen verschlechterten sich durch den Bruderkrieg. Frankreich verhielt sich während des Krieges neutral und hatte dafür von Preußen eine Vergütung erhofft. Die süddeutschen Staaten waren nach dem Krieg durch militärische Schutzbündnisse mit dem Norddeutschen Bund verbunden.
Der 3. Juli 1866, der Tag der Schlacht von Königgrätz, war nicht nur ein militärisch bedeutender Tag, denn noch bevor der Sieger des Krieges feststand, errang Bismarck einen politischen Erfolg. Bei den Wahlen zum Abgeordnetenhaus erreichten die Konservativen 136 Sitze, zuvor hatten sie lediglich 35 Sitze. Ein Indiz dafür, dass Bismarck sein Image aufgewertet hatte. Denn in den ersten Jahren seiner Ministerpräsidentschaft, wurde ihm aufgrund seines Handels, beim Streitpunkt Verfassungskonflikt, wenig Sympathie entgegengebracht.

Wir bedanken uns bei Max Wiegand aus Schkeuditz für die Zurverfügungstellung seiner Schülerarbeit, die er vor zwei Jahren erfolgreich verteidigen konnte.
Zum Thema behalten wir uns vor, über die Schlacht bei Langensalza vom 27. Juni 1866 noch ergänzend zu schreiben.
Herausgeber

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