Soziale Netze


Zum 100. Geburtstag von Helmut Anders

Wolfgang Anders


Am Sonnabend, den 16. Juli wäre mein Vater Helmut Otto Anders 100 Jahre alt geworden.
Sehr wahrscheinlich aber war das nicht.
Er ist vor der Zeit, im Alter von 64 Jahren im Mai 1981 verstorben.
Nach dem sogenannten Kohlrübenwinter 1916/17 brachte ihn Martha Anders in Leipzig-Neustadt als drittes Kind und als dritten Sohn zur Welt.
Vater Emil Max Anders durfte den „Weltkrieg“ mit einem Lungenschuß beenden und in seinem erlernten Beruf als Herrenmaßschneider weiterarbeiten.
Mit etwa 70% Arbeitsfähigkeit schneiderte er nun zu Hause weiter.
In der Hedwigstraße 20 – ganz oben.
Der Kohlrübenwinter war ein großzügiges Geschenk unserer britischen Vettern mittels der Blockade der Seewege.
Von welchem der Kriegsgegner der Lungenschuß stammt konnte ich noch nicht ermitteln.
Sein Bruder Max Anders jedenfalls kam von der Westfront nicht zurück.
Schwer verletzt verstarb dieser in einem französischen Lazarett und liegt heute auf einem französischen Soldatenfriedhof.

Helmut wuchs wohlbehütet, aber äußerst bescheiden, bei stets schwacher Konstitution, in Leipzig und Umgebung auf.
Gelegentlich verbrachte er mit seinem Bruder Gerhard einige Tage bei den Großeltern auf dem Dorfe hinter Grimma, an der Mulde.

Auch konnte Helmut in den Zwanzigern zu einem Erholungsaufenthalt bzw. zur Kur geschickt werden.
Seine Volksschule absolvierte er dann schon im Leipziger Westen, wohin die Familie in modernere Wohnungen zog.
Zunächst Markt 13, der Lindenauer Markt, auch wieder ganz oben (Neben einer Familie Eilenberger, deren Enkel mit dem Autor später die Helmholtzoberschule besuchen sollte.)
In das Helmholtz-Realgymnasium ging zu jener Zeit (20er Jahre) der älteste Bruder Heinz Anders („Helmholtzschüler Heinz Anders“ ISBN 3-…).
Im relativen Aufschwung der „Goldenen Zwanziger“ baute auch die Reichsmessestadt Leipzig soziale und moderne Wohnungen.
Man denke nur an den Rundling in Lößnig, die Krochsiedlung in Gohlis, oder eben diverse einzelne Mietshäuser für sozial Bedürftige und kinderreiche Familien.

So zogen Andersens im Jahre 1931 in eine Erdgeschoßwohnung (auch wegen des Lungenleidens des Vaters Emil) in Leutzsch – Am langen Felde 2.

Nebenan wohnte bald auch der Maschinenschlosser Fritz Böhme mit 5 Kindern.

Durch Vermittlung des Vaters Emil erlernte Helmut in Leutzsch ebenfalls den Beruf eines Herrenmaßschneiders.
Beim Schneidermeister G. in der Weinbergstraße 2.

Die beiden jungen Burschen und Lehrjungen Gerhard und Helmut verbrachten viel Freizeit bei den Wanderfreunden, der Schwimmerjugend Nerchau und in einer Leipziger Meute- die böse Sieben in Schönau.

Darüber gibt es ein Gedicht. Wo haben wir es bloß…

Sowohl zu Fuß, aber auch mit der Eisenbahn – besonders oft aber mit den Fahrrädern – machten die beiden unternehmungslustigen Brüder ganz Mitteldeutschland und darüber hinaus offenbar unsicher.

Ihre Fahrtenbücher berichten sehr anschaulich darüber.

Ein extra angelegtes Fotobuch ebenso.

Gegenwärtig bearbeiten wir innerhalb unserer familiären SAMMLUNG ANDERS Leipzig 1980 das gesamte Material.
Sogar Negative sind noch vorhanden und werden sukzessive entwickelt und digitalisiert.

Fortsetzung folgt

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