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Sächsische Redundanz

Wolfgang Anders


Sächsische Redundanz

Von

Wolfgang Anders

Leibzsch

(Feine und Fiese Satyre aus Leibzsch)

Erste Lektion

Die Sächsische Redundanz ist naturgemäß ein weites Feld.
Unter Redundanz versteht man gemeinhin die sogenannte oder auch Weitschweifigkeit.
Weitschweifig ist ein Erzähler, wenn er, wie der Volksmund – und nicht nur der – sagt, man komme „vom Hundertsten ins Tausendste“.

Die Redundanz, die Weitschweifigkeit also, ist ein feststehender Terminus, der mehr oder weniger durch sich selbst erklärt wird.
Was oder wer ist schon weitschweifig – doch wohl nur die menschliche Rede, Erzählweise, Berichterstattung.

Die schon im Titel erwähnte – oder sollte ich besser sagen: den eigentlichen Titel bestimmende „Sächsische“ Redundanz stellt sowohl eine Begriffsverengung, als auch eine Begriffserweiterung dar.
Dergestalt, dass die „Sächsische“ oder auch jede andere Redundanz gewissermaßen eine Untergliederung des Oberbegriffs Redundanz darstellt; aber das Besondere an der „Sächsischen“ Redundanz in dieser etwas weitschweifigen Abhandlung erläutert werden soll und daraus eine Spezialstrecke von universeller Bedeutung erwächst.

Nämlich „Sächsisch“ wieder seine ursprüngliche Größe und Macht erreichen wird. Wenn schon nicht als Staatsgebilde – vergleichbar dem geopolitischen Begriff Mitteldeutschland – so doch als Geistes- und Wissensmacht.

„Sächsisch“ im sogenannten und tatsächlichen, real existierenden „Culturkampf“.

Ähnlich dem Islam ist doch „Sächsisch“ alles in einem: Kultur, Lebensart, Abstammung, Geblüt und Gemüt, Veranlagung, aber auch Wissenschaft, Weltanschauung, ja sogar „Ideologie“ (obwohl dieser Begriff wahrlich abgewirtschaftet hat), Kunst und Religion.

„Sächsisch“ ist also keine orientalische Wüstenreligion, die sich im alten Rom in Demut an die Macht geschlichen hat (Nuhs 1970) und uns Sachsen deshalb und von daher (nämlich vom alten Orient her) raum- und wesensfremd ist.

„Sächsisch“ ist auch kein Dialekt.
Eher schon eine Art Überdialekt, eine Art Sprache an sich.

Denn Dialekte und Mundarten gibt es in unserem schönen Sachsenlande, und was früher alles sächsisch war, viele (Arzgbersch un` Vuuchtländsch summ Beischbiel).

Auf das Thema Weitschweifigkeit wurde der verdienstvolle Autor aufmerksam im Deutsch-Unterricht an der Erweiterten Helmholtzschule zu Leipzig in den Jahren 1962 bis 1966.
Klassenleiter war der Altphilologe Dr. Curt Beyer. Der soll sogar hebräisch rückwärts gekonnt haben.
Das aber ist ein Gerücht geblieben.
Dr. Curt Beyer promovierte in den dreißiger Jahren über lateinische Verben.
Mit diesen Verben wurden wir später traktiert.
De Stammformen.

Erstmals literarisch erwähnt wurde unser „By“ in der Biographie von Friederike Raschke „Von Wunden und Wunderbarem“.
Ich habe mich bei Friederike schon angemeldet, zwecks Übernahme ihres Kapitals…Pardon…ihres Kapitels über Dr. Curt Beyer.
Friederike ist eine alte Freundin, ein Multitalent einer künstlerischen Familie aus Leipzig-Leutzsch.
Wir kennen uns – auch familiär – seit zartestem Jugendalter.
Von daher, also deshalb, war ich schon traurig, mich nicht in ihren Memoiren wiederzufinden.
Also „Von Wunden und Wunderbaren“:
Wir dürfen daraus zitieren.
Aus der eigenen SAMMLUNG ANDERS Leipzig 1980 stellen wir in großzügiger Weise Bilder zur Verfügung.
Faul und gesund, wie ich nun mal bin, finde ich soeben, dass Friederike meine Texte auch noch vorlesen könnte…
Derweil vertone ich meine Küchenlyrik:

De Sonn`steicht summ Himmel `nauf
Glick auf, Glick auf, Glick auf!

Oder:

Schedor Mann an schedem Ort
Einmol in dor Woche Sport!

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