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Der Captain tritt ab

Max Wiegand


Der Captain tritt ab- Zeit für einen Blick zurück

von
Max Wiegand
Schkeuditz

Die Fakten sprechen für sich, 24 Tore in 120 Spielen für die A-Nationalmannschaft. Für einen Mittelfeldspieler, der in der zweiten Hälfte seiner Karriere verstärkt im defensiven Mittelfeld eingesetzt wurde, ist das ein mehr als ordentlicher Wert. Doch nach 12 Jahren hat sich Bastian Schweinsteiger entschlossen das Kapitel Nationalmannschaft zu beenden.
Alles begann am 6. Juni 2004. Der damals 19-jährige Schweinsteiger, wurde zur Halbzeit in einem Freundschaftsspiel gegen Ungarn eingewechselt, welches 0:2 für die Ungarn endete. Bei der 2004 stattfindenden Europameisterschaft, kam Schweinsteiger ebenfalls 2mal von der Bank, konnte allerdings das Vorrundenaus des DFB-Teams nicht verhindern. Für die DFB-Auswahl war Bastian Schweinsteiger im Juni 2005 das erste Mal erfolgreich. Er erzielte gegen Russland 2 Tore, die Partie endete 2:2.
In den folgenden Jahren avancierte der junge Schweinsteiger zum Stammspieler und war unter Jürgen Klinsmann zur Weltmeisterschaft 2006 im eigenen Land auf der linken Mittelfeldposition gesetzt. Besonders im Spiel um Platz 3 wusste Schweinsteiger zu überzeugen. Er glänzte mit einem Doppelpack und bereitete ein weiteres Tor vor. Er repräsentierte mit seinem Freund Lukas Podolski das verjüngte, dynamischere Gesicht der Nationalelf und hat maßgeblich zum Sommermärchen beigetragen.
2008 fanden in Österreich und der Schweiz die Fußball Europameisterschaft statt. Nach einer holprigen Vorrunde wurde das deutsche Team seinen Ruf als Turniermannschaft gerecht und steigerte sich nach der Gruppenphase. Deutschland bezwang im Viertelfinale Portugal (3:2) und im Halbfinale die Türkei (3:2). Bastian Schweinsteiger erzielt jeweils das 1:0 und glänzte mit 2 Torvorlagen im Spiel gegen die Portugiesen. Das Endspiel gegen Spanien ging 0:1 verloren.
Schweinsteigers Leistungen wurden konstanter, er war abgeklärter und entwickelte die Fähigkeit ein Spiel zu lesen. Daher wurde er seit 2009, beim FC Bayern, verstärkt in der Mittelfeldzentrale eingesetzt und übernahm diese Rolle auch beim Nationalteam.
Michael Ballack, langjähriger DFB-Kapitän, zog sich 2010 unmittelbar vor der WM, im FA Cup Finale mit dem FC Chelsea eine Bänderverletzung zu. Für den Großteil der Experten war die WM für das Nationalteam gelaufen, besonders weil Ballack die prägende Figur des DFB-Teams war. Plötzlich standen andere Akteure im Mittelpunkt. Philipp Lahm trug die Chefbinde, doch der Dirigent war ein anderer, Bastian Schweinsteiger. Er scheute sich nicht Verantwortung zu übernehmen und führte eine sehr junge, doch wohl noch zu unerfahrene Truppe, zu einem guten 3. Platz bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft in Südafrika.
2012 nahm er an der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine teil. Schweinsteiger schleppte sich durch das Turnier und konnte nie wirklich überzeugen. Bereits in der Qualifikation zur Europameisterschaftsendrunde hatte Schweinsteiger einige Spiele verletzungsbedingt passen müssen. Der Geist war willig doch der Körper verweigerte ihm 100%. Besonders hartnäckig erwies sich eine Verletzung an seinem Knöchel die er sich im Februar des gleichen Jahres zugezogen hatte. Nach einem mäßigen Auftritt im Viertelfinale gegen Griechenland folgte das Halbfinalaus gegen Italien.
Sollte Bastian Schweinsteiger ohne großen Titel mit der Nationalmannschaft bleiben? Viele Kritiker sahen Parallelen zu Michael Ballack, der seine Nationalmannschaftskarriere nie mit einem Titel krönen konnte. Die Europameisterschaft 2012 war immerhin die 4. Endrunde an der Schweinsteiger erfolglos teilnahm. Zumal Schweinsteiger auch nach der EM, mit seiner Gesundheit zu kämpfen hatte. Ihn plagten muskuläre Probleme sowie Sprunggelenk-, Kapsel- und Knöchelverletzungen. In den beiden folgenden Bundesligasaisonen 2012/2013 und 2013/2014, fiel Schweinsteiger summiert 130 Tage aus. Im Mai 2014 unmittelbar vor der Weltmeisterschaft in Brasilien plagten ihn Patellasehnenprobleme, eine Beschwerde im Kniegelenk, die häufiger bei Sportlern auftritt. Doch während des Turnieres bestritt er jedes Spiel mit Ausnahme der Auftaktpartie gegen Portugal (4:0) und verlieh dem Deutschen Spiel Struktur. In der historischen Halbfinalpartie gegen den Gastgeber Brasilien (7:1) wusste er zu überzeugen, wie auch im Finale. Er wurde zur Symbolfigur für Einsatz und warf sich in jeden Zweikampf. Er ging bis an seine Leistungsgrenze, stellenweise darüber hinaus, und verewigte sich am 13. Juli 2014 im Maracanã mit dem Weltmeistertitel (1:0, gegen Argentinien). Dem DFB-Team gelang historisches da sie als erste Europäer in Südamerika Weltmeister wurden.
Nach dem Weltmeistertitel 2014, änderte sich einiges in der ,,Mannschaft‘‘, wie das DFB-Team fortan bezeichnet wurde. Neben Per Mertesacker und Miroslav Klose entschied sich auch Lahm, der 2010 Michael Ballack als Chef des DFB-Teams abgelöst hatte, dazu seine Nationalmannschaftskarriere zu beenden. Daher stellte sich im Spätsommer 2014 die Kapitänsfrage. Es gab eigentlich nur eine logische Antwort, der bisherige Vize-kapitän, Bastian Schweinsteiger. Er bestach mit Erfahrung und hatte besonders im WM-Finale seine Führungsqualitäten wie kein zweiter unter Beweis gestellt.
Meiner Meinung nach war Schweinsteiger seit dem Abgang des Langjährigen Leitwolfes Michael Ballack die Führungspersönlichkeit im DFB-Team. Am 29 März 2015 durfte er die Mannschaft zum ersten Mal offiziell als Chef auf den Platz führen. Im September des Jahres 2014 hatte er erneut mit Problemen an der Partellasehne zu kämpfen was einen früheren Einsatz des DFB-Kapitäns ausschloss. Auch in den folgenden Jahren war Schweinsteiger von Verletzungen beeinträchtigt und Verpasste insgesamt 46 Pflichtspiele für seine Klubs Bayern München und Manchester United.
Auch im Vorfeld seines letzten großen Turnieres für das DFB-Team, war Schweinsteiger von Verletzungen beeinträchtigt. Trotz alledem wurde Schweinsteiger in den Kader für das Europameisterschaftsturnier in Frankreich berufen. Da er für die KO-Spiele während der EM 2016 geschont wurde, hat Toni Kroos bereits die Chefrolle in der Mittelfeldzentrale übernommen. Doch man merkte es dem Spiel an, sobald der Kapitän auf dem Platz stand. Er forderte die Bälle, bestach durch seine Zweikampfqualitäten und war unverkennbar der Chef im Maschinenraum, der Mittelfeldzentrale. Er war nicht Stammspieler aber ein fester Stabilisator. Besonders tragisch gestaltete sich sein Abschied. Im letzten Spiel seiner Nationalmannschaftskarriere, im Halbfinalmatch gegen Frankreich (0:2), sprang der Ball an seine Hand. Diese führte zum Elfmeter, und brachte die Franzosen in Front.
Schweinsteiger tritt zwar als tragischer Held ab, den Weltmeistertitel kann ihn allerdings niemand nehmen. Ein Spieler wie Toni Kroos hat natürlich die fußballerischen Fähigkeiten Schweinsteiger zu ersetzen. Allerdings bleibt abzuwarten ob er solche Leaderqualtiäten wie Schweinsteiger entwickelt. Daran hege ich allerdings Zweifel, da Kroos ein ruhigerer Typ ist und Schweinsteiger in seinem Alter bereits mehr Verantwortung trug. Besonders in Sachen Biss wird Schweinsteiger wohl eher von Sami Khedira ersetzt werden müssen. Aber ob ein 1:1 Ersatz möglich ist bleibt fraglich, da wohl kein anderer Spieler die Nationalmannschaft in den letzten Jahren so geprägt hat wie Schweinsteiger. Attribute wie, grenzenloser Wille oder bedingungsloser Einsatz werden in unseren Köpfen immer mit dem Namen Schweinsteiger verbunden bleiben.

Unvergessen bleibt das WM-Finale in dem er mehrmals zu Boden ging. Doch er stand immer wieder auf und kämpfte weiter mit blutigem, schmerzverzerrtem Gesicht und eisernen Willen für sich, für sein Team und für ein ganzes Land.

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