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Brot & Spiele in Mitteldeutschland

Wolfgang Anders


Haben unsere Vorfahren, die Germanen, auch so viel gefeiert?
Um die Sommersonnenwende herum?
Für einen alten Leipziger Taxifahrer einfach zu viel!

Schloßfest in Merseburg – war sehr schön.
750 Jahre Zöschen in der ehemaligen Provinz Sachsen, heute Stadtfest Schkeuditz, Landkreis Nordsachsen.
Sodann Reitturnier und Parkfest in Löbnitz, hinter Delitzsch. Traditionell fahren wir am Sonntag hin – wegen dem Großen Preis von Löbnitz.
In Boehlitz-Ehrenberg feierten die Siedler vom Ammernplatz und auf dem Sportplatz an der Leipziger Straße die Fußballer.
Und überall floss das Bier in Strömen.
Taxi-Toni schaffte (mit Hilfe seiner Holden) drei (in Worten 3!) dunkle, fast schwarze Schwarzbier.
Am schönsten gestaltete sich der Vormittag im Park zu Löbnitz.
Unter schattigen Bäumen bei Gaffee un Guchn, im Schatten großer, alter Laubbäume.
Ahorn. Ahorn?
Waren das nicht gar Platanen? Oder der Acer pseudoplataniae…?
Einer der Original Presseler Randfichten meinte und sagte Ahorn. Der muss es ja wissen – der kommt vom Dorfe.
Jedenfalls sassen wir gut in unserer Sasse und die Mutti hatte gute Unterhaltung mit Leuten aus Bad Düben.
Man kannte sich noch von früher… von ganz früher.

Früher war hier der Park voller Menschen.
Vom benachbarten Roitzschjora flogen die Düsenjets in Formation und hinterließen ihre farbige Tricolore…Quatsch, das ist Paris am 14. Juilette.
Nein – eine alte Antonow, die berühmte AN 2, setzte Fallschirmspringer über dem Festplatz ab.
Einer landete auf dem Partyzelt der Feldküche der Löbnitzer Feuerwehr. Und verbrannte sich den Arsch…oder so!

Und dann kamen noch die Indianer ins Reitstadion und machten einen Überfall.
Das war lustig…

Habe ich schon die Geschichte vom Bierwagen und den Leuten aus Roitzschora erzählt?
Nee?
Also: es war vielleicht vor zwei Jahren.
Ich stehe am Bierwagen und warte auf meine Kaltschale.
Der alte, dicke Zapf-Hahn, also der Bierzapfer, erzählt, er habe noch nie soviel große Geldscheine gesehen, wie hier.
Und alle bei Leuten aus Roitzschjora!
Tja, meinte einer aus ebenda ganz locker: Mir sinn eben sparsam.

Das ist ja eben.

Ach ja, Pferde haben wir uns auch noch angesehen.

Tja, Brot und Spiele wie bei den alten Römern.
Die mit der spätrömischen Dekadenz, wie meine Freundin Schwesterwelle vor vielen Jahren bemerkte.

Feste feiern ist aber immer noch besser, als feste arbeiten.

Wenn man die heutigen Probleme mit etwas Abstand betrachtet, könnte man skeptisch meinen, wir sollen an nichts anderes denken. Nur feiern, feiern, feiern…

Dabei reichen die Probleme und Widersprüche schon auf kommunaler und regionaler Ebene völlig aus.

Der NUKLA e.V. Leipzig berichtet ständig über die systematische Schädigung des Leipziger Auenwaldes, die „Landgemeinde“ erinnert an die herrenlosen Grundstücke in Leipzig; angeblich kein Wohnraum, aber Lehrstand in Leipzig.
Leipzig leistet sich wohl die teuerste Straßenbahn, so daß man mit dem Auto stets billiger fährt. Dafür radeln die „veganen Reiter“ immerzu vor den Autos auf zu schmale Straßen.
Schön auch der kleine Widerspruch zwischen der „Breiten Straße“ im Leipziger Osten, die von den westdeutschen Fachleuten zu schmal gebaut wurde, wie man hörte. Mit Fördermitteln.
Oder der Widerspruch zwischen begrünten Gleiskörpern für de Bimmel und den engen Fahrspuren für den Autoverkehr.
Die separaten Gleiskörper seien eine Forderung Brüssels, ansonsten gäbe es keine Fördermittel…
Na ja, man gönnt sich ja sonst… auch mal was.

Schönes Wochenende!

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