Soziale Netze


In Bad „Lausig“ wird „service“ großgeschrieben?

Daniel Gabler


Tatsachenbericht über die erste REHA in Bad Lausick.


Vorwort:

Nach einem Krankenhaus-Aufenthalt in Leipzig wurde mir eine REHA empfohlen. Aus mehreren Orten wählte ich Bad Düben, nur 39 Kilometer, in 40 Minuten, mit dem Auto entfernt. Am nächsten zu Leipzig gelegen, falls ich mal besucht werde. Da in Bad Düben kein freier Platz war, wurde Bad Lausick beantragt.

Dies ist meine allererste eigene REHA, ich wollte mich nicht Entspannen, sondern lieber wieder Arbeiten. Nach dem Krankenhaus ging es mir gut und ich bin ein Workaholic.

In Bad Lausick wurde mir langweilig und ich wollte negative Punkte über die Sachsenklinik aufzählen und die Klinik negativ bewerten.

Aber ich begann lieber eine Geschichte zu schreiben. Ich wollte auch interessante und kuriose Daten von Bad Lausick und der Sachsenklinik auflisten. Außerdem wollte ich von meiner allerersten eigenen Kur berichten, wie ich es empfunden habe. Vieles sollte nicht böse sein, sondern ironisch.

Jeder sollte sich durch die Geschichte ein eigenes Bild machen. Denn wenn man vieles weiß und die REHA “durchsteht”, kann man Geld sparen und Infos wie auch Hintergründe ausnutzen.

Nicht alles ist schlimm, nicht alle Mitarbeiter sind unfreundlich oder inkompetent. Man lernt nette Mitpatienten kennen oder man kann etwas unternehmen. Man muss nur wissen, wie und was und wo.

Woanders kann es so oder viel schlimmer sein.

Daniel Gabler

 

Ich widme die Geschichte meinen REHA-Freunden und danke meinen ganzen Besuchern, als schöne Abwechslung während der REHA in Bad Lausick.


Bereits vor 5 Jahren habe ich in der „MEDIAN Klinik Bad Lausick“, Familie besucht. Diese Klinik wurde 1993 eröffnet und war der erste Klinikneubau in Sachsen nach der Wiedervereinigung. Die Klinik ist eine Rehabilitations-Fachklinik mit den Behandlungsschwerpunkten Orthopädie und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dort geben es 200 Betten und ein eigener Parkplatz direkt am Gebäude. Vor der Klinik liegt der Kurpark und davor die „Sachsenklinik Bad Lausick“. Gegenüber des Eingangs zum Kurpark liegt der Besucher-Parkplatz der Sachsenklinik.

Als ich damals beim Spaziergang, am Besucher-Parkplatz, einen ungewöhnlichen Mast sah. Am Mast war eine Art Kiste befestigt, diese konnte man hoch und runder bewegen. Es sah nicht wie ein Scheinwerfer aus, ohne Kabel, ohne Lampe, ohne Fassung. Warum sollte man es vertikal bewegen können?

Damals konnte mir keiner erklären, was es mit dem Mast auf sich hat. Heute existiert dieser Mast immer noch und ich bin bei Wanderungen oft daran vorbei gekommen. Ich fragte eine Physiotherapeutin der Sachsenklinik, da sie viele Jahre hier arbeitet. Sie sagte: „Im Winter, wird nachts der Parkplatz damit beleuchtet.“ Also weiß es immer noch Keiner.

Ein Bekannter sah bei meinem Besuch, auch den ungewöhnlichen Mast und er fotografierte ihn. Außerdem schrieb er eine E-Mail an die Kur- und Touristinformation Bad Lausick. Es kam eine Antwort zurück.

Foto aus dem Bestand eines Mitglieds der PGS Bad Lausick vom Adlerschießen.

Foto aus dem Bestand eines Mitglieds der PGS Bad Lausick vom Adlerschießen.

Bei dem Mast handelt es sich um den Adlerschießstand der Privilegierten Schützengilde Bad Lausick. Das Adlerschießen ist eine Schießveranstaltung mit sehr langer Tradition. Es ist so beliebt, weil alle Schützinnen und Schützen den Titel erringen können, ohne besonders gut schießen zu können.

Beim Adlerschießen wird auf dem Schießstand ein Holzadler aufgehängt, auf den reihum geschossen wird. Der Adler besteht aus elf Teilen Fällt nach einem Schuss ein Teil des Adlers zu Boden, scheidet der Schütze sofort aus und wird später bei der Siegerehrung mit der entsprechenden Anstecknadel ausgezeichnet. Fällt der Rumpf bzw. der ganze Adler, so ist das Adlerschießen beendet und der entsprechende Schütze ist Adlerkönig und wird mit einem prächtigen Orden, sowie mit den Anstecknadeln für die restlichen verbliebenen Teile, geehrt. Der Adlerkönig hat keine besondere Aufgabe, wird aber zu allen Veranstaltungen namentlich begrüßt.

Meine allererste eigene „Kur“ begann schon zu Hause, da ich eine Woche vorher noch keine Unterlagen hatte. Auf telefonischen Kontakt wurden mir die Unterlagen gefaxt und noch einmal per Post versandt.

Im Fax auf Seite 1 wurde ich zu 22 Tagen Rehabilitationsmaßnahme eingeladen, der Anreisetermin war plötzlich ein Tag früher. Auf Seite 2 wurde ich aufgefordert, den Betrag sofort bei Ankunft an der Rezeption zu zahlen. Aber die Bezahlung war nirgends genau ersichtlich. Dann wurden auf Seite 4 verschiedene Dinge aufgelistet, welche man einpacken soll. Ob man alle Dinge besitzt, dafür Geld übrig hat oder noch sofort los kann, um diese Dinge schnell zu besorgen? Vielleicht kann man zum Handy-Ladekabel, auch ein Mobiltelefon mitnehmen? Auch die Spiele und DVDs verwirren. Wo kann ich in der REHA ein PS3-Spiel (Konsole) oder eine DVD einlegen? Auf der letzten Seite 5 stehen nur Informationen, dass man am Bahnhof abgeholt werden kann. Wie und mit was kommt nach Bad Lausick?

Beim zweiten telefonischen Kontakt wurde folgendes erklärt. Das Formular auf Seite 2 ist das falsche Formular. Ich muss es nicht unterschreiben und kein Geld im Vorfeld bezahlen. Die Dinge auf Seite 4 sind unwichtig, es ist nur eine Empfehlung. Aufatmung! Um nach Bad Lausick zu reisen, kann ich ein Taxi benutzen. Super!

Ein weiteres drittes Telefonat war wichtig, da das Taxiunternehmen ein Schriftstück als Bestätigung will. Leider konnte und wollte die Mitarbeiterin am Telefon mir kein Dokument faxen. Das Taxiunternehmen musste das Problem mit der REHA selbst telefonisch klären. Auch weigerte sich diese Mitarbeiterin, ein Entschuldigungsschreiben für den Arbeitsgeber zu schicken. Das bekomme ich nach der REHA, aber das wäre zu spät. Eine „Krankschreibung“ muss man innerhalb von 3 Tagen vorlegen bzw. schicken, sonst ist man unentschuldigt. Ich habe den Arbeitgeber im Vorfeld die Einladung der REHA geschickt, ich hoffe es funktioniert.

Nach 3 Tagen kamen die Original-Unterlagen per Post und dort las ich „Wichtige Infos“ auf der Rückseite der letzten Seite 5 (nicht per Fax). Zu spät. Ein Tag vor der Abreise sind die zweiten Unterlagen noch einmal per Post angekommen.

Am Standort Bad Lausick betreibt die Michels Unternehmensgruppe seit 1994 die „Sachsenklinik“, eine Rehabilitationsklinik für Neurologie (120 Betten) und Orthopädie (100 Betten), sowie eine Klinik für Psychosomatik, Psychotherapie und Verhaltensmedizin im benachbart gelegenen Haus „Herrmannsbad“ mit 100 Betten. Am und im Gebäude der Sachsenklinik sieht man schon extrem viele Abnutzungen und Schäden. Die Unterbringung des Patienten und einer Begleitperson im Doppelzimmer ist außerdem möglich. Allerdings für stolze ab 51 € für eine Aufbettung oder ab 54 € ein Doppelzimmer. Die meisten Freizeitaktivitäten sind kein Service, sondern gegen Gebühr.

Der 1. Tag, endlich bin ich in der Sachsenklinik Bad Lausick angekommen! Bad Lausick ist eine Stadt im Landkreis Leipzig in Sachsen. Die Stadt hat seit 1913 den Status einer Kurstadt (Namenszusatz „Bad“) und ist ein staatlich anerkannter Kurort im Freistaat Sachsen (Heilbad). Bad Lausick liegt mitten im Sächsischen Burgen- und Heideland, am Rande des Landschaftsschutzgebietes Colditzer Forst, südlich der Stadt Grimma (13 Kilometer), östlich der Kreisstadt Borna (13 Kilometer) und westlich von Colditz (12 Kilometer). Die Parthe entspringt auf dem Gebiet des Ortsteils Glasten.

Der nette Taxifahrer „Taxi-Toni“ bringt mich in 45 Minuten von Leipzig bis Bad Lausick, in ca. 40 Kilometern. „Taxi-Toni“ begleitet mich bis zur Rezeption und legt dort die Quittung vor. Schroff wurde ihm gesagt, er muss warten, da er nicht der einzige Fahrer ist. Aber ich bekam schon meinen Schlüssel und meinen Papp-Hausausweis. Jetzt bin ich „313“! Wie im Gefängnis oder bringt die „13“ Unglück? Den Papp-Hausausweis soll man immer bei sich tragen, aber in der Klinik muss man sich nicht abmelden. Man kann wohl rund um die Uhr die Klinik betreten und man darf den Ort Bad Lausick, eine Fläche von 70,03 Quadratkilometer, nicht verlassen.

Es ist ein nettes Einzelzimmer mit Bad und Balkon. Aber Achtung, die Balkontür lässt sich schwer Schließen und Öffnen. Es kann passieren, dass man plötzlich die ganze Tür (großes Fenster) in der Hand hat. Es rastet manchmal nicht richtig ein.

Ein schöner Ausblick nach Bad Lausick zum schönen alten Rathaus, welches 1739 gebaut wurde. Von Weiten wirkt links das Rathaus wie eine Burg. Daneben sieht man die St.-Kilian-Kirche, bereits 1106 wurde mit dem Bau begonnen. Aber viel gigantischer und imposanter sieht man das alte Mühlenwerk „Uhlig & Weiske“ mit den riesigen Stahlsilos. Die Mühle wurde 1872 erbaut und durch zwei Brände zerstört. Das jetzige Aussehen ist von 1913 und durch die Verstaatlichung 1972 hieß sie „VEB Mühlenwerke“. 1993 machte die Mühle dicht und 1997 wollte ein Investor groß investieren. Seitdem verfällt sie weiter vor sich hin. Schade.

Der Schreibtisch in meinem Zimmer hat rechts eine Tür. Ein vermeintlicher kleiner Kühlschrank, aber die Enttäuschung ist beim Öffnen groß. Dies ist nur ein kleiner Schrank. Wo lagere ich Verderbliches? Hoffentlich wird es nicht zu heiß, weil man keine Getränke kühlen kann. Aber immerhin hat der Fernseher 14 Programme, damit könnte man sich die Langeweile vertreiben, wenn nicht so viel Schrott im TV läuft. Aber im Schubfach des Schreibtischs finde ich ein „Neues Testament“ vor. Ich erschrecke und lege sofort einen Flyer von der „Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters“ darauf. Vielleicht hilft es?

Die wenigen Steckdosen im Zimmer verstecken sich gut und es gibt ein Telefon. Für 0,80 € pro Tag Grundgebühr plus 0,21 € pro Einheit gibt es keinen Service, denn andere Telefonanbieter sind billiger. Man kann dann erst aus der Klinik telefonieren. Wieder weitere Nebenkosten zum Zahlen. Die Telefonnummer des Zimmers setzt sich aus der Vorwahl 01805 zusammen, so das auch alle Anrufer ab 0,14 € pro Minute zahlen müssen. Hier nützt die Flat (kostenlos) von zu Hause nichts, die Anrufer werden auch zur Kasse gebeten.

An der Rezeption erhält man eine Plastikflasche, 1 Liter Leere für 2,50 €. Im Supermarkt erhält man mehrere Flaschen mit leckeren Inhalt. Die leere Flasche benötigt man, um im Gebäude Wasser an Automaten zu zapfen, mit oder ohne Kohlensäure. Versehentlich wurde im Einladungs-Brief auf der Seite mit „Wichtige Dinge zum mitbringen“, die leere 1-Liter-Flasche vergessen.

In der Sachsenklinik gibt es auch kein Service für 2 € pro Waschmaschine, um eine Maschine mit Waschmittel selbst zu benutzen. Weichspüler bitte selbst mitbringen! Nirgendwo steht eine Anleitung und wenn man seine vier 0,50 € eingeworfen hat, sind sie weg. ACHTUNG! Man muss erst die Wäsche und Waschpulver in die Waschmaschine geben, auswählen und erst dann das Geld einwerfen! Mein Tipp, man sollte Haken, Leine und Klammern mitbringen. Auf den Balkon kann man sein selbst Gewaschenes trocknen lassen. Meine T-Shirts und Hemden lassen sich wunderbar, kostenlos im Waschbecken des Badezimmers durchspülen.

Aber es gibt leider auch Zimmer ohne Balkon. In der vierten Etage, im Dachgeschoss, muss man schräge Wände und Hitze mögen. Zumal passen die Rollstühle und Rollatoren im Zimmer nicht durch den Türrahmen der Badtür. Auch die Badtür selbst geht nicht ganz auf, da außen die Klinke an den Schrank schlägt. Man benötigt ein besonderes Zimmer für Patienten mit Rollator oder Rollstuhl.

Hinter der Sachsenklinik liegt ein schöner, ruhiger und grüner Kurpark mit Freilichtbühne „Schmetterling“. Dort werden regelmäßig Konzerte, Operetten und Chöre präsentiert.

Aber auch in der Klinik, nebenan und im Ort finden viele Veranstaltungen statt. Ob Dia-Vortrag, Theaterstück, Gesang und Satire, aber auch Bastelgruppe, Nähgruppe und Kartenspieler. In ein paar Tagen, kommt die „Textil-Fischer“. Ist das die Schwester von „Helene Fischer“, oder gibt es doch nur Kleidung?

Wenn man nicht selbst bis ins Stadtzentrum Bad Lausick laufen will oder mit Krücken geht, dann wird man mit einem Kleinbus gefahren. Hin und zurück je 600 Meter, für
3 €, statt Service. In Leipzig kann man schon für 2,70 € eine Stunde mit Bus, Straßenbahn und S-Bahn fahren.

In der heutigen Zeit von Internet, gibt es allerdings im eigenen Zimmer kein Kabel und nichts Schnurloses (WLAN). Nur im Eingangsbereich der Klinik ist WLAN verfügbar und in der Ecke steht ein Computer. Aber hier gibt es kein Service, sondern ab 2 € eine Stunde alte Modem-Geschwindigkeiten (sehr langsam), für den Computer oder für eigene Geräte. Zum Beispiel für das Tablet oder Smartphone. Aber nicht für mehrere Geräte gleichzeitig, sonst muss man mehr dazu kaufen, pro Gerät.

Auch in der modernen Zeit, könnte man digital den aktuellen Patientenplan bekommen. Aber das will man älteren Patienten nicht erklären, also muss man dreimal am Tag den eigenen Briefkasten besuchen. Da sich Termine, Vorträge und Therapien immer ändern, bekommt man ständig einen neuen Ausdruck. Papier ist bekanntlich geduldig!

An der Zimmernummer ist ein moderner Chip befestigt, mit dem man seine Zimmertür automatisch öffnet und das Mittagessen bestellt. Aber daran ist noch der alte Briefkasten-Schlüssel befestigt.

Die Klinik empfiehlt keine großen Geldbeträge mitzubringen, lieber eine Kreditkarte. Stimmt, das Bargeld wird nicht reichen für alle Nebenkosten, mit Kreditkarte kann man Bezahlen und man kann an der Rezeption Geldstücke bekommen.

Am ersten Tag bekommt man ein paar Einweisungen und noch nicht viele Termine. Aber zu Mittag darf man noch nicht wählen, man bekommt irgendein Essen. Ab sofort darf man an einem Bildschirm für das nächste Mittag selbst auswählen.

Von 7 bis 9 Uhr gibt es Frühstück, von 11:15 bis 12:45 Uhr ist Mittag und von 17 bis 18:45 Uhr gibt es Abendessen. Früh und Abend gibt es kaltes Buffet und das Mittag wird hier nicht frisch gekocht. Das Essen wird gefroren von „Apetito“, aus Rheine in Nordrhein-Westfalen, geliefert und nur aufgewärmt. Das Mittagsgericht sieht einfach und manchmal komisch aus. Man kann es zwar essen, aber lecker hat damit nichts zu tun. Wenn man Patient in einer anderen Michels Klinik ist, bekommt man genau dasselbe Gericht.

Das ganze übrige Essen wird nicht verwendet oder an Tiere verfüttert, sondern es wird von „ReFood“ abgeholt. Die Firma aus Nordrhein-Westfalen sammelt in Deutschland einem Rohwarenumschlag von ca. 500.000 Tonnen pro Jahr (Stand: 2018). Aus den Lebensmitteln wird eine Biomasse und über den Weg der Biogasherstellung wird elektrische und Wärmeenergie hergestellt.

Frühstück und Abendessen wiederholt sich immer wieder. Zum Frühstück gibt es auch Tomate, Gurke und Paprika, passt nur schlecht zur Marmelade oder Honig. Es sei denn, man isst etwas Herzhaftes wie Wurst und Käse. Aber zum Abendessen gibt es keine Tomate, Gurke und Paprika, nur Salat.

An meinem ersten Mittag hier, fragte ich nach Saft, damit ich Wasser mit Geschmack trinken kann. Mir wurde gesagt nur zum Buffet, also gibt es mittags nur Wasser. Beim Buffet, zum ersten Abendessen, suchte ich wieder nach Saft. Eine Mitarbeiterin fragte, was ich suchte. Ich sagte: „Ich suche etwas zu Trinken.“ Sie sagte: „Wasser!“ und ich entgegnete: „Ich will mich nicht Waschen, sondern etwas Trinken!“. „Hier gibt es nur Wasser und Tee.“ widerholte die genervte Frau.

Zum Abendessen steht Tee auf den Tischen und zum Frühstück Kaffee. Aber nur zum Frühstück kann man außer Wasser und Tee, auch drei Säfte, Milch und Buttermilch bekommen. Man sollte sich aber nicht erwischen lassen, wenn man etwas Saft in eine Flasche abfüllt. Wenn man trotzdem am Ende des Frühstücks, sich am losen Saft (aus billigen Tetrapacks) bedient, zählt das als Verbrechen! Der lose Saft wird nicht zurück in die Tetrapacks gefüllt und er hält sich nicht ewig. Außerdem dachte ich, er ist zu Trinken. Komisch!

Am 2. Tag, beginnen verschiedene Aufnahmen in der Ergotherapie, Physiotherapie, Logopädie und eine erste Visite. Bei der Visite geht man zum Arzt, nicht wie im Krankenhaus, wo viele an einem Bett stehen. Man läuft mit einem A4-Hefter durchs Gebäude und sucht die richtigen Zimmer, an Hand des Terminplans im Hefter. 14 Uhr ist der Tag heute bereits fertig.

Jeden zweiten Tag werden Zimmer und Bad gereinigt, Müll geleert und die Handtücher getauscht. Man hat ein Handtuch und ein Badehandtuch von der Klinik gestellt. Ich habe sogar zwei Handtücher, eins nehme ich für die Hände und eins für die Therapien und Sport mit. Man kann die netten Reinigungsfrauen, zu besonderen Wünschen ansprechen. Aller zehn Tage wird das Bett bezogen, je nach dem wann man anreist.

Am 3. Tag, folgen auch psychologische Therapien und der erste Besuch im Kraftraum. Hier kommt man 10 Minuten auf dem Fahrrad (Heimtrainer) nicht vorwärts. Danach darf man Gewichte an Geräten drücken und ziehen, gut für die Beine und Arme. Alle vier Geräte je 20-mal, zwei Runden. Das macht Spaß, sonst habe ich zu Hause keine Zeit und Lust dafür.

15 Uhr beginnt meine erste Wandergruppe, ich warte im Eingangsbereich. Mir graut es davor, da ich nur viele Patienten mit Krücken sehe. Auch habe ich als Einziger den Hefter zum Abzeichnen nicht mit, denn ich wollte ihn nicht mit zum Wandern mitnehmen. Andere Patienten haben Beutel oder kleine Rucksäcke dabei, mit Klinik-Logo. Hätte ich für je 2 € dafür ausgeben müssen? Aber Merchandising (Werbeartikel) für Geld? Kein Service! Auch falle ich auf, im kurzärmlichen Hemd mit kurzärmeliger Weste. Auf dem Plan steht: „wetterfeste Kleidung“, aber ich habe in der Innentasche der Weste einen kleinen Regenschirm einstecken. Oder hätte ich den Werbe-Regenschirm für 9 € kaufen sollen?

Es erscheint die Therapeutin und sie wählt nur 4 Patienten ohne Krücken und mich aus. Es gibt noch eine zweite Gruppe. Ich laufe mit einen Herrn, von meinen Tisch, vornweg, es geht nur einen reichlichen Kilometer zurück zur Sachsenklinik. Wir werden beide von der Therapeutin gerügt, da wir nach 20 Minuten fertig sind. Wir sollen in die Zwei-Kilometer-Wandergruppe, der nette Herr von meinen Tisch ist aber am nächsten Tag nicht mehr da. Ich werde nie eine Zwei-Kilometer-Wandergruppe sehen und mitmachen. Da wusste ich aber noch nichts davon. Also ca. 15:30 Uhr ist wieder Schluss für heute.

Der 4. Tag, enthält eine Einweisung in „CASPAR“, dies ist ein Programm am Computer oder als App auf dem Smartphone. Die Therapeutin kann aus ca. 1.000 Übungen und Rezepten, bestimmte Empfohlene auswählen. In den einzelnen Übungen kann die Therapeutin Durchgänge, Anzahl und Pausen einstellen. Danach bekommt man die ausgewählte und angepasste Übung in sein CASPAR übertragen. In einem animierten Video sieht man die Übung und danach macht man die Übung mit der Computerfigur gemeinsam. Es ist eine Frau oder Mann. Danach kann man die Übung kommentieren, ob gut oder schlecht, ob man Schmerzen hatte oder etwas schreiben. Die App auf dem Smartphone benutzt wohl keiner und im Zimmer sieht keiner ob und was man macht. Außerdem fehlt im Zimmer Zubehör, wie Matte, Hanteln und Gummiband.

Mir macht das „Rumgeturne“ vor dem Computer keinen Spaß und man blamiert sich, wie ein „KASPER“. Ein Gespräch mit der Therapeutin, somit hat sich CASPAR für mich erledigt.

Danach wieder die Geräte im Kraftraum, mein Ehrgeiz lässt alle Gewichte an den vier Geräten erhöhen. Am Ende habe ich von dem Physiotherapeuten erklärt bekommen, dass ich es so nicht machen soll. Statt das Gewicht zu erhöhen, erst die doppelte Übungsanzahl und danach vielleicht erhöhen. Das konnte ich nicht wissen.

Dann laufe ich mit der Physiotherapeutin allein mehr als zwei Kilometer durch den Park in 20 Minuten. Ganz schön zügig. Nach dem Mittagessen gibt es einen Vortrag im Fernsehraum. Vor vielen Patienten wird eine Beamer-Präsentation gezeigt und erklärt. Ich muss dabei mit meinem Schlaf kämpfen. Gähn! Noch eine Therapie und 15:45 Uhr Schluss für Heute.

Am 5. Tag beginnen die Therapien schon wieder um 7:45 Uhr und man hetzt von einer zur nächsten Therapie. Jede Therapie dauert nur 30 Minuten. Dazwischen auch noch das Essen schaffen. Hockey in der Gymnastikhalle und wieder ein Kilometer mit der Gruppe durch den Park „wandern“. Im Kraftraum belasse ich die Gewichte und mache jetzt 40 Übungen in je zwei Runden. 16:30 Uhr wieder Ende für Tag fünf.

In der Gymnastikhalle steht auch eine Tischtennisplatte, gesichert durch einen Hocker, leider schon seit über zwei Jahren kaputt. Geht bestimmt schnell?

Am 6. Tag, ein Samstag, ziehe ich 7 Uhr meine Gardine auf. Es schneit, im April, und auf dem Dach gegenüber liegt Schnee. 7:45 Uhr ist der Spuk vorbei, ich gehe kurz auf meinen Balkon, kein Schnee mehr. Ich höre dreimal die Glocke der St.-Kilian-Kirche, es muss 3 Uhr sein.

Heute steht endlich ein Bewegungsbad an. Es ist im „Großen Bad“, 1,10 Meter tief und es werden Übungen mit der Gruppe durchgeführt. Vorher und hinterher Duschen, aber in der Umkleidekabine, sollte man die erste Dusche meiden. Denn diese ist nur kalt, für die Sauna. In der zweiten Umkleidekabine gibt es nicht geflieste Duschen, sondern Duschbecken. Ohne Badeschlappen rutscht man dort aus! Die Therapeutin zeigt die Übungen für nur 30 Minuten, dann ist Schluss. Kurz vorm Mittag mache ich noch meine Übungen an den Geräten im Kraftraum.

Gewöhnlich nutze ich die Treppe in der Sachsenklinik für runter. Es sind pro Etage 16 Stufen, aber im Erdgeschoss 20 Stufen und im -1 sind es 17 Stufen. Meist muss ich von der 3. Etage ins Erdgeschoss, zum Speiseraum, zur Bibliothek, zum Fernsehraum, zu den Briefkästen und zur Rezeption, es sind 52 Stufen. Von der 3. Etage bis -1 sind es 69 Stufen, zum Bad, zum Kraftraum, zum Gymnastikraum, zum EKG, zur Massage oder diverse Physiotherapeuten. Im -2 befinden sich noch Ergotherapeuten, der Friseur und die Technikräume. Die Patientenzimmer sind in den Etagen eins bis vier und die Schwestern sowie Ärzte sind dort verteilt. In der 4. Etage ist auch Logopädie, Neuropsychotherapien und Psychologische Diagnostik zu finden. Aber das Treppensteigen ist schneller, als auf einen der zwei Patienten-Aufzüge zu warten. Doch hochwärts habe ich allerdings eher die Ausdauer zum Warten. Wenn ich Treppen hochsteigen will, muss ich das zu Hause täglich machen.

Heute steht nur 12:15 Uhr im Plan, Mittagspause im Speiseraum. Mittagspause klinkt wie Mittagsschlaf, aber im Speiseraum? Werden wie früher in der Schule, Liegen aufgebaut? Die Schwestern gehen dann rum um zu kontrollieren, dass jeder schläft. Ich bin gespannt, ob ich da schlafen kann?

Danach fiebere ich auf den ersten Besuch, zur Abwechslung. Nach einer kurzen Führung in der Klinik, geht man mit dem Besuch in die Innenstadt Bad Lausick. Man sieht Apotheken, Krankenkasse, Sanitäts-Haus, Hörgerate-Laden, Steinmetz und Bestattungen. Hier hat man sich also auf die Patienten vorbereitet. Wir begegnen in der Ladengasse keinen Menschen, aber im großen Eckladen „Zoo-Garten-Freizeitcenter“ werden Gartenzwerge verkauft. Schade, alle Läden sind heute zu.

Gegenüber des Eckladens lockt das „Süßes Eckchen“, aber die Rollladen sind zu. Man weiß nicht, was es gibt oder ob es überhaupt irgendwann offen hat. Schade!

Am Markt ist das Kur- und Stadtmuseum, hier werden auf 900 Jahre Geschichte von Bad Lausick zurückgeblickt. Nach 1820 wurden Heilwässer gewonnen und dies war wichtig zur Entwicklung zum Kurort. Im Museum sind thematisch gestaltete Räume und ein Überblick über Handwerk und Gewerbe, Schulgeschichte und Kultur, die Kirchgeschichte sowie das Kur- und Badewesen in der Stadt. Der Geschichtsverein Bad Lausick e.V. verwaltet die umfangreiche Sammlung von ca. 24.000 Objekten.

Das alte Rathaus hat links das kaiserliche Postamt enthalten, aber jetzt wohl unbenutzt. Im rechten Teil wird noch das kleine Städtchen Bad Lausick von der Verwaltung und dem Bürgermeister regiert. Schräg gegenüber ist die St.-Kilian-Kirche und auf der anderen Straßenseite der Kirche ist das „Café am Markt“. Scheint das einzige geöffnete Café in Bad Lausick zu sein.

Das Café ist nicht sehr groß, aber gut besucht. Bei schönen Wetter stehen auch draußen ein paar Tische. Hier trifft man die Patienten aus der Kurklinik mit Besuch, so dass die drei Café-Bedienungen schon überfordert sind. Bei uns wird meistens ein Eisbecher vergessen, aber das kann passieren?

Gegenüber des Rathauses befindet sich die „Markt-Passage“, dadurch kann man abkürzen zurück zur Sachsenklinik. Wenn man allerdings kurz blinzelt, verpasst man die drei Läden in der sogenannten Passage.

Am 7. Tag, beim Frühstück am Tisch, klagt die neue nette Frau über dünne Zimmerwände. Ihr Zimmernachbar schnarcht sehr laut. Ich frage ob ihr Nachbar die Zimmernummer „313“ hat. Sie weiß es nicht und zeigt ihre Zimmernummer „314“. Nach meiner Entschuldigung kann sie mir verzeihen.

Als damals jemand für die Umsetzung der Inneneinrichtungen in der Sachsenklinik war, hatte diese Person Schlaganfall oder war auf Drogen. Er musste gedacht haben: „Das ist eine Superidee! Wir bauen statt normale Türen, Glastüren ein!“ Bei Schwesterzimmern, bei Arztzimmern, bei Therapien und sogar bei Toiletten und Umkleidekabinen. Damit man von draußen genug sieht und seine Nase besser an die Scheibe drücken kann. Eine geniale Idee! Schade jetzt wurden viele Glastüren von innen beklebt, bemalt oder undurchsichtig gemacht.

Im Erdgeschoss gibt es eine sogenannte „Bibliothek“, dies ist nur eine Schrankwand mit ca. 100 Büchern. Die Bücher kann man ausleihen oder Vorort lesen. Toll, mein Vater hat mehr Bücher, dann hat er jetzt auch eine Bibliothek.

Heute ist Sonntag, immer noch der 7. Tag und es steht nur 12:15 Uhr im Plan, wieder Mittagspause im Speiseraum. Mein zweiter Besuch mit Baby kommt schon vor dem Mittag. Also gehen wir gemeinsam in den Speiseraum, das Baby wird von Allen freundlich aufgenommen. Am Tisch erfahre ich, dass ein Gast mitessen könnte.

An der Rezeption will ich eine Essensmarke für 7 € erwerben. Obwohl die Rezeptionistin weiß wer ich bin, ich kann mich mit Hausausweis und Zimmernummer ausweisen, aber ich kann das Geld nicht später geben. Ich könnte ja damit abhauen! Also wieder hoch, Geld nehmen und wieder runter. Blöde Gans! Nach dem Mittag landen wir wieder im „Café am Markt“.

Der 8. Tag, beginnt beim Frühstück gegen 8:30 Uhr, danach ein Vortrag zur „Gesunder Ernährung“. Den Vortrag hätte ich selbst geben können, also kämpfte ich stattdessen mit meinem Schlaf. Heute bekam ich ein Oberarm-Blutdruckmessgerät für eine Woche, damit ich dreimal am Tag messen kann. Nach Neuropsycho, Gymnastik und Kraftraum, Schluss gegen 16:30 Uhr.

In der Sachsenklinik findet man regelmäßig im Eingangsbereich irgendein Verkaufsstand. Es gibt nur Kerzen, Seifen, Spielzeug, Kleidung, Taschen, Rucksäcke, Schmuck, Bücher, Kalender, Kosmetik, Deko, Socken, Glas, Holz, Keramik, Bettwäsche, Lederwaren, Edelsteine, Honig, Tee, Gewürze, Schirme, Babyartikel, Unterwäsche, Kunstblumen, Bio-Produkte, Osterartikel und vieles mehr. Der Verkaufsstand muss an die Klinik ab 20 € für den Stand für einen Tag bezahlen.

Im benachbarten Gebäude „Hermannsbad“ gibt es nur Montag bis Samstag von 7:30 bis 10:30 Uhr einen „Kiosk“. Ein kleiner Laden für Hygieneartikel, Zeitungen / Zeitschriften und Dinge des täglichen Bedarfs. Aber wenn man kein Vermögen ausgeben will, sollte man lieber einen Supermarkt in Bad Lausick aufzusuchen. Es gibt ein großes Angebot in der Nähe. Ein Netto in 950 Meter oder ein Penny in 1 Kilometer oder Diska in 1,1 Kilometern oder ein REWE in 1,2 Kilometern.

Am 9. Tag, wieder Stress ohne Ende, dazwischen Frühstück und Mittag. Bei der Visite frage ich den Oberarzt nach einer Massage, denn meine nette Zimmernachbarin hat davon berichtet. Ich bekomme demnächst Massagen für meinen Rücken. Diesmal ein Vortrag eines Oberarztes, dieser war dann doch mal interessant, bis ca. 15:30 Uhr.

Da Frühstück- und Abendessen-Buffet immer dasselbe ist, hängt einem es zum Hals raus. Es muss Abwechslung her, also begleite ich meinen gleichaltrigen netten Tischnachbar. 400 Meter entfernt gibt es einen „Asia-Imbiss“, dort essen wir gemeinsam unser leckeres Abendessen.

Am 10. Tag, um 8 Uhr, planschen im Großen Bad. Nach dem Frühstück eine „Schulung“, es ist ein Vortrag. 11 Uhr meine erste Teilkörpermassage und danach aufs Laufband für 15 Minuten. Im Anschluss war mir so schwindlig, dass ich beinah umgefallen wäre. Aber danach noch freiwillig in den Kraftraum, obwohl es nicht im Plan stand. Immer dieser Ehrgeiz! Nach dem Mittag nur noch Psychotherapien bis 16 Uhr.

Da man hier früh immer so zeitig aufstehen muss, legt man sich vor oder nach dem Mittag noch mal kurz hin. Ich halte dann ein kurzes Schläfchen zwischen 30 und 60 Minuten. Ich fühle mich schon wie im Altenheim!

Der 11. Tag, beginnt ganz langsam mit Neuropsychologischer Therapie, Sozialberatung und ein „Schläfchen“ beim Vortrag. Nachmittags wieder Kraftraum und Wanderung. Wieder ein Kilometer „Spazieren“ bis ca. 15:30 Uhr.

Die meisten Angestellten der Sachsenklinik sind zu 90 Prozent weiblich und es sind meist jüngere Mitarbeiter. Die Physiotherapeutinnen sind vor den Schwestern die größere Anzahl hier. Gefolgt von den Psychologinnen und danach kommt der Rest. Das sind dann die Service- und Küchenfrauen, Reinigungskräfte, Masseure, Ergotherapeuten, Sozialarbeiterinnen, Ärzte und der Hausmeister.

Aber nun kommt das aller Beste, ich hatte mich schon darauf gefreut! Bereits am 9. Tag für diesen 11. Tag, gegen 18 Uhr haben wir beim griechischen Restaurant „Poseidon“ reserviert. Wir waren gemeinsam, fünf Rehafreunde, von unseren Tisch im Speiseraum. Das „Restaurant Poseidon“ ist 600 Meter von der Sachsenklinik, im Bahnhof, entfernt. Der Bahnhof Bad Lausick ist jetzt das Restaurant, trotz weiteren Zugverkehr. Außen ist auch ein Freisitz, es gibt nettes Personal und super lecker Essen. Ein Traum im Gegensatz zum langweiligen Klinikessen.

Der 12. Tag, ist ein Feiertag und es steht im Plan wieder nur 12:15 Uhr Mittagspause im Speiseraum. Gut zu wissen, dass hätten wir vergessen!

Am Feiertag gibt es zum Abendessen auch warme Besonderheiten, aber nur eins davon. Zum Beispiel: Nürnberger Bratwürste, Kassler mit Sauerkraut, Wiener, Chickennuggets oder Minifrikadellen. Allerdings muss man dringend schon 17 Uhr da sein! Da die Besonderheiten in zu geringer Menge sind und sich die Patienten darauf stürzen. Die Gehbehinderten sind am Schnellsten und sie müssen für den Krieg hamstern.

Aber auch mein Besuch war nicht zu vergessen, also ging es wieder in die Innenstadt von Bad Lausick. Wir entdecken ein Geschäft für Haushaltswaren. In bereits 2 Tagen ist Ostern und hier gibt es schon 40 Prozent auf Weihnachtsartikel. Was für ein Glück, aber heute ist leider zu.

800 Meter von der Klinik bis zum „Café am Markt“ und nur 700 Meter durch die „Passage“ zurück. Verabschiedung schon wieder von den zwei Gästen und hinein in die Sachsenklinik. Ein Anruf! Ein weiterer Besuch von mir, sitzt bereits im „KurCafé“ im Erdgeschoss an der Klinik. Nichts wie hin!

Das „KurCafé“ oder „Kurkaffee“, verschieden bezeichnet, ist dienstags von 14 bis 17 Uhr geöffnet und mittwochs bis sonntags von 14 bis 19:30 Uhr geöffnet. Innen ist es sehr gemütlich und bei schönen Wetter stehen außen Tische (siehe Bild: auch Stühle). Es wird auch Alkohol ausgeschenkt, aber in der Klinik darf man laut Hausordnung kein Alkohol trinken. Ungewöhnlich? Die Pächter des Cafés sind sehr optimistisch eingestellt, denn auf der Herren-Toilette hängt ein Kondom-Automat. Die Anzahl der 220 Patienten, unterteilen sich in je 5 Patienten von 20-40 Jahre, je 20 Patienten von 40-60 Jahre und der Rest ab 60 Jahre. Im Durchschnitt sind 70 Prozent der Patienten mit Krücken, Rollator oder Rollstuhl. Die können halt nicht wegrennen! Aber auch wenn das Café bis 19:30 Uhr offen ist, werden die Tische 17 Uhr wieder reingeräumt. Die meisten Patienten gehen schon 17 Uhr zum Abendessen in den Speiseraum.

Am 13. Tag, ein Unglückstag? Nein, aber im Plan steht 7:30 Uhr Kraftraum, also gehe ich erst gegen 8 Uhr hin. Noch eine Gymnastikgruppe und 12:15 Uhr wieder Mittagspause im Speiseraum. Also wieder den halben Tag langweilen.

Der 14. Tag, Sonntag, es klopft um 10:50 Uhr. Es ist eine Schwester, die sich erkundigt, ob alles in Ordnung ist. Im Gefängnis werden die Insassen auch auf Vollzähligkeit kontrolliert. Zum Frühstück gab es warme hartgekochte Eier, denn es ist Sonntag. Heute steht auf dem Plan wieder nur 12:15 Uhr Mittagspause im Speiseraum, also heute den ganzen Tag wieder Langeweile.

So zieht unsere 4er-Reha-Gruppe zu einer kleinen Tour, nur 700 Meter in die östliche Richtung, zu einem Kaffee ins Kneipchen. Hier gibt es kein Café oder keine Gaststätte mehr. Also geht es weiter zum „Sportcasino“, an den Fußballplätzen, hier ist geschlossen. Wir beschließen weiter Richtung Süden, zum „RIFF“ zu gehen. Es ist ein Kur- und Freizeitbad und es wurde 1995 eröffnet.

Plötzlich sind wir in einen Neubaugebiet. Sind wir in Leipzig-Grünau? Nein die Hochhäuser fehlen, dieses Neubaugebiet zählt noch zu Bad Lausick. Die Umsetzung eines komplexen Wohnungsbauvorhabens begann 1988 mit dem Neubauviertel, mit 270 Wohnungen, eine Schule, eine Turnhalle und eine Kaufhalle. Aber der Supermarkt scheint auch zu zu sein, wir folgen dem Schild zum „Freizeitbad“ erst nach Osten. Obwohl das Bad Richtung süd-westlich liegt. Das Schild führt uns um das Neubaugebiet, zurück nach Süd-Westen, denn das Schild ist für Autofahrer und nicht für Fußgänger. Von Weitem sehen wir die „Hudelburg“, eine mittelalterliche Gastwirtschaft. Dort gibt es Brunch, Buffet und Gelage-Abende mit Spielleuten. Also nach dem Umweg, von insgesamt ca., 3 Kilometern sind wir am „RIFF“ angekommen.

Das „RIFF“ hat eine Pyramide und wirbt als die „Blaue Lagune“. Es gibt eine 118 Meter lange Riesenrutsche und eine 125 Meter lange Reifenrutsche. Viel Spaß für Jung und Alt ist garantiert, auch mit Außenbecken, Wasserspielplatz, Außenrestaurant, Wellness und Sauna. Sehr zu empfehlen, für eine Tageskarte ab 13 €! Seit Dezember 2018 gibt es daneben das „Riff Resort“ mit 23 modernen Ferienwohnungen. Über den Bademantelgang gelangt man bequem zur Bade- und Saunalandschaft. Der Bahnhof Bad Lausick ist nur 700 Meter zu Fuß entfernt (nur schlecht ausgeschildert) und die Sachsenklinik ist 850 Meter zu Fuß entfernt.

Auf unserem langen Weg sind wir vor dem „RIFF“ an REWE, Rossmann, Penny und dem italienischen Restaurant „Al dente“ vorbei gekommen, aber leider hatte alles zu. Also sind wir weiter nach Westen am Bahnhof unter den Bahngleisen durch, weiter nach Nord-Westen zur Innenstadt. Denn das „Café am Markt“ hatte offen. Nach unserer großen Tour von ca. 5 Kilometern sind wir wieder in der Sachsenklinik angekommen. Wir haben viel gesehen und erlebt, aus der Sachsenklinik erst nach links gegangen und von rechts wiedergekommen.

Der 15. Tag ist wieder ein Feiertag und im Plan steht wieder 7:30 Uhr Kraftraum, also gehe ich wieder erst gegen 8 Uhr hin. Ich muss das Oberarm-Blutdruckmessgerät abgeben. Nun noch eine Gymnastikgruppe und 12:15 Uhr wieder Mittagspause im Speiseraum. Zum Frühstück esse ich vom Erdbeerjogurt, aber diesmal mit Stücken. Aber die Stücke im Erdbeerjogurt sind Aprikosen, das Kompott war wohl übrig. Hier wird man doch, zum Feiertag überrascht.

Ich freue mich auf erneuten Besuch und wir gehen natürlich wieder zum „Café am Markt“, diesmal esse ich Kuchen statt Eis. Natürlich wird abermals ein Eisbecher am Tisch vergessen und diesmal gibt es kein Vanille-Eis. Ist dies nicht die beliebteste und meiste Eis-Sorte?

Danach gehe ich noch ins „KurCafé“ oder „Kurkaffee“ und esse den Eisbecher „ Lady in Red“ oder „Rote Grützbecher“. In der Eiskarte heißt der Eisbecher anders als in der Speisekarte. Sehr kreativ finde ich in der Speisekarte jeweils Wiener Würstchen, Bockwurst oder Boulette: „mit B.“ Wenn es weder Brot noch Brötchen gibt, werden dann vielleicht Bohnen, Bananen oder „Baprika“ serviert?

Am 16. Tag um 7:25 Uhr klinkt jemand an meiner Badtür in meinem Zimmer. Die Tür ist verschlossen und ich höre eine Stimme. Sie erkundigt sich, ob ich in das Schwesternzimmer komme. Das weiß ich, da es auf einen Termin-Zettel steht. Mein Tipp: Man sollte die Badtür im eigenen Zimmer auch verriegeln, wenn man alleine ist!

Heute eine zweite Massage um 8 Uhr, danach viel Sport und ein Vortrag bis 15 Uhr.

Der 17. Tag, beginnt schon um 8 Uhr mit Bewegungsbad, nach dem Vortrag geht’s zur Visite. Warum möchte ich keine stufenweise Eingliederung in die Arbeit? Ich dachte, ich beginne stufenweise, denn sonst habe ich an sechs Tagen in der Woche gearbeitet. Aber die erste Woche beginnt mit einem freien Tag, danach ein Tag arbeiten, dann Feiertag, mal wieder arbeiten (das zweite Mal), daraufhin zwei Tage Urlaub und am letzten Tag Sonntag (frei). Das ist für mich eine stufenweise Eingliederung! Alles ist in Ordnung, meine REHA muss nicht verlängert werden. Ich komme raus! Ich fühle mich nicht schlechter oder besser, wie vor der REHA. Ich werde aber als „arbeitsunfähig“ entlassen, obwohl ich gesund bin!

Heute eine Ernährungsberatung, dann Gedächtnisspiele am Computer, bei der „Neuropsycho-Tante“ und Sport bis 15:30 Uhr. Dazwischen auch die Mahlzeiten nicht vergessen!

Am 18. Tag, sitze ich früh nach 7 Uhr allein vorm Schwesternzimmer und muss ewig warten. Also komme ich 10 Minuten zu spät, zu meinen Termin um 7:30 Uhr bei der dritten Massage. Die Masseurin klagt über den Ausfall der Kollegin und meine Verspätung, also bekomme ich nur im Sitzen eine 10 Minuten Reiz-Strom-Behandlung. Diesmal verlasse ich meinen Vortrag schon nach 40 Minuten, denn sie hört nicht auf zu reden (normal nur 30 Minuten). Aber ich muss zur Ärztin, bei der Gelegenheit beschwere ich mich gleich über die Plangestaltung. Man muss Herumhetzen und sitzt lange bei den Schwesternzimmern. Mir ist heute auch die Massage entgangen.

Danach zu spät zur Neuropsychologischen Therapie, anschließend zum Bewegungsbad und Mittagessen. Nach dem Kraftraum habe ich ab heute dazu keine Lust mehr, ich zähle noch die letzten zweimal. Dann noch zur Gymnastikgruppe. 15:30 Uhr Schluss für heute.

Am 19. Tag freue ich mich auf das Abendessen. Aber 7:45 Uhr gehe ich erstmal zur Physiotherapeutin und sage: „Guten Morgen und auf Wiedersehen!“, denn ich will zum Frühstück und 8:30 Uhr zur Neuropsychologischen Therapie. Ein toller Plan! Nach dem Vortrag bekomme ich sogar kurzfristig meine entgangene Massage. Sehr schön! Dann noch Gymnastik, das letzte mal ein Kilometer mit der Gruppe wandern und das vorletzte Mal in den Kraftraum. Ende um 16:30 Uhr

Mein Abschluss-Bericht und meine Entlassungspapiere sind fertig, eigentlich könnte ich gehen, aber ich bekomme die Papiere erst am 22 Tag. Muss ich die Sachsenklinik selbst wegen Betrug anzeigen? Denn hier wird noch Geld für drei unnütze Tage eingestrichen.

Dann geht es gemeinsam wieder, als fünf Rehafreunde, zum griechischen Restaurant „Poseidon“. Einer vom Tisch im Speiseraum wurde ausgetauscht, denn Einer ist schon nach Hause gekommen und es kam jemand Neues dazu. Es war wieder toll und super lecker!

Am 20. Tag sollte ich wieder 7:30 Uhr in den Kraftraum kommen, aber ich sprach mit einer Physiotherapeutin ein Tag davor. Ich möchte erst 8 Uhr kommen und sie sagte, ich könnte mich ausschlafen. Nach um 8 Uhr begann ich, mit dem Hometrainer zum Aufwärmen. Allerdings musste ich nach drei Minuten abbrechen, auf Anweisung einer anderen Physiotherapeutin.

Also ging ich erst zum Frühstück und bin danach zurück zum Kraftraum. Neue Physiotherapeutin, neues Glück! Ich absolvierte alles: nach 10 Minuten Fahrrad (Hometrainer) und dann 2 Durchgänge, 40mal an allen 4 Geräten. Zum letzten Tag legte ich noch überall ein höheres Gewicht nach.

Dann ein letztes Mal zur Gymnastikgruppe, diesmal sollten wir wieder Matten nehmen, aber die Physiotherapeutin war so „flexibel“ wie die Matte und änderte ihr Programm. Mit Jogurt-Bechern und Bällen wurde „gespielt“. 11:15 Uhr stand schon im Plan diesmal die Mittagspause im Speiseraum.

Mein letzter Besuch traf wieder am Nachmittag ein und wir sind durch die Innenstadt gegangen. Wir sind auch wieder im „Café am Markt“ eingekehrt und danach am Friedhof vorbei, zu einer kleinen Runde. Über den Bahnübergang bei der Schrankenanlage bis zur „Median-Klinik“ (Abteilung für Orthopädie), hinter der Sachsenklinik neben dem Kurpark.

Der 21. Tag beginnt mit Sonntag, mit etwas längerem Schlafen, bis 8 Uhr. Im Patientenplan steht das letzte Mal nur Mittagspause im Speiseraum, heute 11:15 Uhr.

Hier in der Klinik ist seit fünf Tagen meine Abreise unklar. Es hieß ich bin gesund, dann werde ich nicht wieder mit dem Taxi gefahren, sondern muss zusehen wie ich nach Hause komme. Ich fühle mich wie Asterix und Obelix im Irrenhaus. Vom Oberarzt zur Rezeption, von der Rezeption zu den Schwestern, von den Schwestern zur Ärztin, von der Ärztin zur Rezeption. Erst ist das Formular leer, dann zweimal falsch angekreuzt, dann erklärt mir die Ärztin das muss so sein, das Formular ist falsch. An der Rezeption wird erklärt ich bekomme weniger Geld bei der falschen Ankreuzung. Also muss ich morgen zu einem Arzt um das Ganze zu klären, denn man will mich Privat Abholen.

Nach dem Frühstück wandere ich mit dem netten Patient, vom Tisch, zum „RIFF“, neben dem Restaurant „al dente“. Am Freizeitbad sind zwei Teiche, in dem einen Teich wird geangelt. Eine kleine Wanderung und wieder zurück zu Klinik.

Da das Mittagessen in der Klinik wieder so schlecht schmeckt, entscheiden wir uns kurzfristig für besseres Abendessen. Also geht es wieder gemeinsam, als fünf Rehafreunde, zum italienischen Restaurant „al dente“. Bei schönen Wetter kann man auch draußen sitzen. Das Restaurant liegt am „RIFF“ und ist auch super lecker, kein Vergleich zur Klinik.

Am 22. Tag, endlich meine Abreise! Aber ich muss bis 8 Uhr mein Zimmer mit allen Sachen und Koffer verlassen. Danach darf ich noch Frühstücken und mich von meinen Tischnachbarn verabschieden.

Die Odyssee endet am 6. Tag, zur Frage wie reise ich ab. Mehrfach wurde mir erklärt, dass das Formular falsch ist und es kann nicht verbessert werden. Ich erhalte 7,80 € für die Fahrt und meine private Fahrerin holt mich pünktlich um 9 Uhr ab.

Trotz der schlechten Zustände und keinem Service, ist es dennoch ein Abschied von der Sachsenklinik Bad Lausick. Es kann auch noch schlimmer sein!

Zu guter Letzt, mein besonderer geheimer Tipp!

Im Erdgeschoss der Sachsenklinik, neben dem Speiseraum, bei der Bibliothek und Fernsehraum, ist ein kleiner Raum. Hier stehen drei moderne Computer, sogar mit Touchscreen („Berührungs-bildschirm“), und kein Schild. Hier steht nicht: „Internetcafé“ oder „Nicht benutzen!“ oder eine Anleitung oder Preisliste. Zurzeit, waren alle drei Computer an, einer war mit Passwort geschützt, die anderen nicht. Die Computer haben Internet und mit Lautsprecher ausgestattet. Nur auf den Startseiten ist der „CASPAR“-Zugang, aber man kann jede andere beliebige Internetseite aufrufen.

An diesen Computern kann man kostenlos im Internet surfen! Auch wenn man sich mit seinem Notebook daneben setzt und das Netzwerkkabel aus dem Computer zieht und in seinen Notebook steckt – auch kostenloses Internet, auf dem eigenen Notebook! Wenn man einen WLAN-USB-Stick besitzt und ein wenig Ahnung hat, kann man einen mobilen Hotspot aktivieren. Das heißt man kann sich mit Smartphone oder Tablet im Umkreis kostenlos das WLAN benutzen! Das WLAN müsste im Speiseraum, in der Bibliothek und im Fernsehraum funktionieren. Viel Spaß dabei, haltet es geheim! Dies ist wohl ein „Schlupfloch“, mal sehen wie lange noch.

 

Ich versichere, dass mir alles so selbst „passiert“ ist. Alle Eindrücke sind persönliche Meinungen, aber alle Erlebnisse sind belegbar und nicht erfunden. Nur aus Persönlichkeitsrechten habe ich auf namentliche Erwähnungen verzichtet. Die Bildrechte vom Bericht liegen bei mir, denn die sind von mir persönlich fotografiert.


Hier zum Herunterladen als pdf-Datei.

2 Kommentare

  • Taxi-Toni sagt: Nu, nu! Also, was mich angeht, so gann isch nur sachen – genau!

  • Daniel Gabler sagt:

    Ein Monat nach meiner Kur, habe ich einen ausführlichen Entlassungsbericht bekommen. Darin wurde völliger Humbug geschrieben und Teile wiedersprechen sich mit anderen Teilen. Es wurde sogar eine nicht existierende Berufsbezeichnung erfunden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.